Zeitreise ins Osmanische Reich
admin 8. March, 2011
Ute Krause „Osman – Der Dschinn in geheimer Mission“
Oetinger Verlag
ISBN 978-3-7891-4048-8
288 Seiten
13,95 €
Ute Krause, gebürtige Berlinerin (Jahrgang 1960) und immer noch – bzw. wieder - in Berlin wohnend, ist eine bekannte Buchillustratorin. Sie lebte schon in vielen Ländern, so in Indien, Nigeria, den Vereinigten Staaten und auch in der Türkei.
Nach einem Studium im Film- und Fernsehbereich in München war sie auch in diesem Berufsfeld tätig, sie drehte Werbespots, aber auch Dokumentar- und Kurzfilme, sie schrieb Drehbücher und zeichnete Cartoons. Mittlerweile hat sie an ca. 60 Kinderbüchern mitgewirkt, oft als Illustratorin (so z.B. in dem von mir hier schon besprochenen Band „Rita, das Raubschaf“) aber auch als Auorin.
Sie wurde auch schon für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert und auch von der Stiftung Deutsche Buchkunst. Ihre Bücher wurden in viele Sprachen übersetzt.
Nach der ersten Geschichte um den Flaschengeist Osman „Osman – Der Dschinn in der Klemme“ geht es weiter mit den Geschichten um Fanni, Anton und Osman.Es sei vorausgeschickt, dass man den ersten Band nicht unbedingt kennen muss, obwohl das sicher auch kein Schaden ist. Ich habe jedenfalls sehr gut ohne den Vorgänger gelesen zu haben, in die Geschichte hineingefunden und ich bin ziemlich sicher, dass das auch Kindern gut gelingen wird.
Man erfährt, dass die Geschwister Fanni und Anton wohl schon einmal ein heikles turbulentes und nicht ganz ungefährliches Abenteuer mit Osman, dem Dschinn aus der Sultanszeit des Osmanischen Reichs erlebt haben, glücklich wieder in die Gegenwart zurück gekehrt sind und ihren Eltern versprochen haben, sich nie wieder auf so etwas einzulassen.Doch als Anton von dem gerade verstorbenen Antiquitätenhändler Friedrich ein verschnürtes Paket erbt, wird er geradewegs in ein neues Abenteuer verwickelt. In dem Paket befindet sich nämlich nichts anderes als eine Flasche samt dem zugehörigen Flaschengeist.
Dieser ist ein dicker, etwas chaotischer und eigentlich recht freundlicher (aber beileibe nicht immer!) Dschinn, der dem Schlafen und Essen sehr zugetan ist und seit über 300 Jahren in der Flasche zubringen musste.
Leider zerbricht die Glasflasche aus Versehen und da man einen leibhaftigen Dschinn nicht einfach in eine neue Glasflasche sperren kann, bleibt den Kindern nichts anderes übrig, als wieder in der Zeit zurück zu reisen um einen ganz bestimmten Glasbläser aus Stambul (so hieß Istanbul früher) zu finden, der genau das richtige Glas für einen Flaschengeist herstellen kann.
Eigentlich klar, dass es mit der Herstellung einer neuen Flasche nicht getan ist. Um einem alten Freund (den Fanni sehr und ganz besonders zugetan ist!) zu helfen, lassen sich die beiden als Sklaven verkleidet in den Sultanshof einschleußen. Dort erleben sie in den Haremsgemächern die wildesten Intrigen und erkennen bald, dass der Kampf um die Nachfolge des kranken Sultans mit äußerst unlauteren Mitteln geführt wird. Jede der Haremsfrauen möchte ihren eigenen Sohn als nächsten Sultan auf dem Thron sehen, also trickst man „ein wenig“ herum, um die Konkurrenten auszuschalten.
Dass es dem jungen – übrigens sehr arroganten und auf den ersten Blick gar nicht sympathischen – Prinzen Achmed gesundheitlich gar nicht gut geht, merken die Geschwister bald; auch entsteht langsam der Verdacht, dass sein Zustand eventuell mit Nahrungsmitteln, die ihm von den netten Tanten geschenkt werden, zusammen hängen könnte. Allein: wer von den Ehefrauen des noch lebenden Sultans verantwortlich ist – diese Frage ist nicht so leicht zu klären.Mit Hilfe von Osman, der sich unerkannt bei den Frauen umhören kann und natürlich mit Hilfe der eigenen Intelligenz versuchen Fanni und Anton, das Komplott aufzudecken. Doch leider ist der schludrige und – immer zur falschen Zeit – schläfrige Osman nicht in jedem Fall eine Hilfe, manchmal ist er eher das Gegenteil. So geraten die Kinder in einige Gefahrensituationen, bis letztendlich nach einigen spannenden Abenteuern, aber auch Herzensproblemen, der „Fall“ zu geklärt wird.
Das Ende ist so konzipiert, dass weitere Abenteuer durchaus vorstellbar (und wünschenswert) sind.
Ich kannte Ute Krause bisher nur durch zahlreiche sehr schöne, sehr gelungene Bilder- und Kinderbuchillustrationen. So war ich natürlich gespannt darauf, ob sie sich auch als Schriftstellerin bewährt.
Ein richtig schönes Kinderbuch!Frau Krause schreibt in einem sehr lockeren und immer wieder witzigen Stil. Das Buch liest sich abwechslungsreich und lebhaft und streckenweise wirklich spannend. Was mir sehr gut gefällt ist, dass sie nicht zu einfach schreibt, sondern den Kindern durchaus Verständnis für Sprache abverlangt.Ich will damit auf keinen Fall sagen, das Buch sei schwierig geschrieben, nein im Gegenteil: die Sätze sind nicht zu lang, nicht zu kompliziert, wörtliche Rede wechselt immer wieder ab mit der Erzählhaltung des „allwissenden“ Erzählers. Also ist der Stil unterhaltsam und lebendig. Aber sie scheut eben nicht davor zurück, auch mal schwierigere Wörter zu benutzen (die aber erklärt werden) und Sachverhalte nicht unnötig zu vereinfachen.
Gerade auch die lustigen Stellen fordern von den Kindern eine gewisse Intelligenz; mir gefällt es immer, wenn man kindliche Leser auch als denkende Menschen ernst nimmt (das tun ja leider nicht alle Kinderbuchautoren).
Eigentlich hatte ich mir, da Frau Krause ja so schön malen und zeichnen kann, ein wenig mehr Bilder erhofft. Doch wahrscheinlich wäre das Buch dadurch erstens sehr viel teurer geworden und zweitens hätte es wohl dann doch eher so ausgesehen, als richte es sich an kleine Kinder.
Meine Enttäuschung hält sich aber in Grenzen, denn ich werde sehr gut getröstet durch die außerordentlich schön gestalteten und geschmackvollen Vignetten an den Kapitelanfängen und durch kleine Zeichnungen am Ende der Kapitel. Und dann gibt es ja noch das lustige Titelbild!
Mal ganz davon abgesehen, dass es sicherlich nicht schadet, deutschen Kindern ein wenig türkisch – osmanische Geschichte nahe zu bringen und ihnen somit zu zeigen, dass es auch in anderen Teilen der Welt Kultur gab und gibt, gefällt mir auch die Heiterkeit des Buches sehr gut.
Das ist ein Kinderbuch, das einfach Spaß macht!
Der Verlag gibt als Altersempfehlung ca. 10 – 12 Jahre an, das ist sicher richtig so, doch ich denke, dass sich das auch sehr gut zum Vorlesen für kleinere Kinder (ab 8 Jahren etwa) eignet.
An meinem Beispiel kann man sehen, dass es aber auch sehr viel älteren Menschen noch Vergnügen bereitet. Sie können das Buch gerne gleich hier bei mir bestellen:
http://thaer.shop-asp.de/shop/action/productDetails/11251058/ute_krause_osman_der_dschinn_in_geheimer_mission_3789140481.html?aUrl=90007281