Philip Roth’s “Nemesis” - wieder ein Meisterwerk!

admin 10. Februar, 2011

Philip Roth „Nemesis“Übersetzer: Dirk van GunsterenISBN 9783446236424Hanser Verlag  18,90 € Original:„Nemesis“ Random HouseISBN 978022408953119,30 € 

Philip Roth wurde 1933 in Newark, New Jersey als Sohn einer gutbürgerlichen jüdisch- amerikanischen Familie geboren. Mittlerweile ist er der Träger aller wichtigen amerikanischen Literaturpreise, so z.B. des PEN-Faulkner Awards, des National Book Awards und des Pulitzerpreises und vieler internationaler Preise. Er gehört unstrittig zu den höchstrangigen zeitgenössischen Schriftstellern des 20. und 21. Jahrhunderts.

Es fehlt nur noch der Nobelpreis, den er aber allemal verdient hat und auf den ich immer noch für ihn hoffe.
Nach zwei gescheiterten Ehen lebt er heute allein  auf einer Farm in Connecticut.

Wie nahezu alle seiner Romane spielt auch dieser im kleinen Städtchen Newark in New Jersey im jüdischen Milieu.Der junge Lehrer Bucky Cantor nimmt seinen Sommerjob, die Beaufsichtigung eines Sportplatzes im jüdischen Viertel von Newark sehr ernst. Er liebt Kinder, er liebt Sport und er versteht es, die ihm anvertrauten jungen Menschen zu motivieren, ihnen soziales Verhalten beizubringen wie auch die Ordnung auf dem großen Platz einigermaßen aufrecht zu halten. Er ist beliebt, er kann etwas und ist zufrieden mit sich und der Welt. Zwar vermisst er seine Freundin, die als Leiterin eines Sommercamps ebenfalls mit Kindern und Jugendlichen unterwegs ist, doch sonst fehlt nicht viel zum absoluten Glück.Wir befinden uns im Jahr 1944, der 2. Weltkrieg ist im vollen Gange, Bucky bedauert, dass er seinen Teil zum Gelingen des Kriegsausganges nicht leisten kann, gerne wäre er – wie die meisten Gleichaltrigen – Soldat geworden, doch seine Kurzsichtigkeit hielt ihn davon ab. Umso größer ist sein Pflichtbewusstsein, die ihm zu Hause gestellte Aufgabe optimal zu erfüllen. Doch da bricht mitten in der Gluthitze des Sommers eine Epidemie aus: Kinderlähmung! Sind am Anfang noch wenige Kinder betroffen, davon aber einige, die Bucky besonders am Herzen lagen, breitet sich die Krankheit immer schneller aus. Keiner weiß, wie das richtige Verhalten aussehen sollte: soll man die öffentlichen Sportplätze schließen oder ist es eher besser, normal weiter zu machen, keine Panik aufkommen zu lassen und die Kinder an die frische Luft zu lassen? Buckys Freundin drängt ihn aus Angst um ihn, zu ihr in das Sommercamp zu kommen, eine Stelle als Sportlehrer sei gerade frei geworden. Bucky kämpft mit sich, seinem Pflichtbewusstsein, seiner Liebe und entschließt sich letztendlich, das Angebot anzunehmen.  Doch das Gefühl, „seine“ Kinder hier in der Stadt verlassen zu haben, verfolgt ihn, es ist leider nicht das einzige was ihn verfolgt. Polio macht nicht halt hinter den unsichtbaren Grenzen des jüdischen Viertels von Newark, auch wenn einige Rassisten die besonders hohe Quote dort als Gottes Strafe ansahen. Es ist schwer, ohne zu viel zu verraten, weiter über den Inhalt zu sprechen, so viel sei mir dennoch noch gestattet:Es geht darum, wie sehr ein Einzelner Einfluss auf sein Schicksal hat, wie ehrlich Liebende zueinander sein können und sollen und wie man mit der Härte des Lebens zurecht kommt  – und ob das überhaupt geht. Klingt zu allgemein? Möglich, aber alles was ich konkret nennen könnte, nähme zu viel vom Inhalt vorweg.Philip Roth ist ein grandioser Stilist. Seine Sprache ist ein Genuss, er ist jemand, der es versteht ohne manieristische Spielereien so zu schreiben, dass es zwar irgendwie „einfach“ bleibt, aber nie flach oder platt. Er nimmt seine Charaktere ernst, aber auch die Themen, um die es ihm geht. Niemals schreibt er etwas nur so hin, damit ein bestimmtes Gefühl nur angedeutet wird, nein, alles hat seinen Sinn. Sehr angetan war ich mal wieder von der Konstruktion des Romans. Hier wird irgendwann noch im ersten Drittel des Buches eine Ich-Stimme auftauchen, von der man erst am Ende erfährt, um wen es sich handelt. Sie tritt nicht oft in den Vordergrund, aber immerhin doch so oft, dass zusätzliche Spannung erzeugt wird. Obwohl es nicht wirklich um „Spannung“ im Sinne von „suspense“ hier geht, aber er weiß einfach, wie man ein vielschichtiges Werk noch ein wenig vielschichtiger macht.

Großartig auch wieder seine Fähigkeit, obwohl er so viele Details beschreibt, dennoch nichts Überflüssiges, kein Geschwafel hineinzubringen. Wieder – wie schon in einem seiner absolut besten Romane „Empörung“ – handelt es sich um ein verdichtetes, relativ kurzes Buch, in dem dennoch eine ganze Welt enthalten ist.

 Welche Ausmaße die Polio-Epidemie annahm, was sie für die Betroffenen bedeutete, das alles hatte ich bisher überhaupt nicht gewusst. In meiner Kindheit liefen schon noch Kinder mit Lähmungen und Deformationen umher, von denen ich wusste, dass sie an Kinderlähmung erkrankt waren, doch war mir absolut nicht bewusst, wie gefährlich, wie weit verbreitet und wie oft es nicht „nur“ Lähmungen waren, die die Krankheit bewirkten, sondern der Tod.So schließt Roth zwar hier auch eine historische Bildungslücke meinerseits, aber das hätte ich auch einfacher haben können. Was mich hier so betroffen machte, war die eindringliche Art, mit der er sich einer der Urängste der Menschheit, die Angst vor Epidemien, annimmt. So detailliert und genau er in jedem seiner Bücher auf menschliche Eigenheiten eingeht, so klar er Charaktere in all ihren Widersprüchen zeichnet, so genau zeichnet er auch hier das langsame Anschwellen der Angst bis zu ihrem Höhepunkt nach. Das ist ergreifend, beängstigend und unheimlich!   Die Liebesbeziehung von Bucky und seiner Freundin endet auf eine Weise, die ich nicht so vorausgesehen hätte, das Verhältnis der beiden und überhaupt Buckys feste Einstellung zum Leben auch in anderer Hinsicht ist nicht so, dass ich es teile, es geht also weniger darum, wie „sympathisch“ Bucky uns nun ist, sondern um diese gewisse Ausweglosigkeit, in der sich Menschen befinden. Wie der Einzelne damit umgeht, wie Menschen sich Schicksalsfragen stellen – das sind Grundthemen des Lebens, wie sie nur selten jemand so tief und bewegend wir Philip Roth bearbeitet. Alter Mann, nur weiter so!  Irgendwann kommt der Tod, aber vielleicht vorher doch noch der Literaturnobelpreis!

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41 Kommentare für “Philip Roth’s “Nemesis” - wieder ein Meisterwerk!”

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