Per Anhalter durch - nein nicht durch die Galaxis - sondern durch den Strudelschlund

admin 27. Januar, 2015

Anna Ruhe
„Seeland – Per Anhalter zum Strudelschlund“
Illustrator: Max Meinzold
Arena Verlag
ISBN9783401600437
258 Seiten
12,99 €

Autorin:

Anna Ruhe, 1977 in Berlin geboren, studierte Grafikdesign, arbeitete als Fotoassistentin, hat eine Softwarefirma mitbegründet und arbeitet als Designerin. Sie ist verheiratet, hat zwei Kinder und lebt – nach einer gewissen Zeit in England – wieder in Berlin.

Max ist unglücklich seit seine Mutter mit ihm aus London weggezogen ist. Nun langweilt er sich in einem kleinen Nest namens Bittie Cross fast zu Tode. Er beschießt wegzulaufen, trifft dabei auf Emma, ein vorlautes freches Mädchen und ahnt noch nicht, dass sie seine Gefährtin auf unzähligen Abenteuern werden wird – auch dass er sich nach der Langeweile des Dorflebens zurücksehnen wird, kann er sich zu dem Zeitpunkt absolut nicht vorstellen.Doch dann geraten sie durch einen Unfall – ein Sturz in einen Brunnen – in eine andere Welt: nach Seeland!

Dort ist alles anders, die Menschen ernähren sich vorwiegend von Algen und Pilzen, ihre Lampen (Lumiroks genannt) sind selbstleuchtende Steine, die Kleidung ist – aus praktischen Gründen – Taucheranzügen sehr ähnlich, und sie leben in sonderbaren Häusern. In großer Detailverliebtheit schildert die Autorin noch unzähliges Sonderbares mehr, sehr beeindruckend fand ich etwa die Straßenkarten aus Elastopri, einer Substanz, die zupf- und dehnbar und natürlich wasserfest ist.Leider ist neben all dieser interessanten Dinge auch noch etwas anderes bemerkenswert: alle Menschen haben Angst! Vor einem dichten Nebel, vor kleinen Vögeln, Späher genannt und vor „der Schaar“, die diktatorisch über Seeland herrscht.

Max und Emma geraten an Ziggy, einen netten Mann, der ihnen Geld (das natürlich auch anders genannt wird) schenkt und ein paar gute Tipps gibt. Max ist auf der Suche nach seinem Vater, den er nie kennen gelernt hat und über den es einige Hinweise gibt, dass er sich in Seeland befindet.Während ihrer abenteuerlichen Reise stoßen sie auf Ari, einen jungen Seeländer, der ebenso wie sie selbst, etwa 13 Jahre alt ist. Ari hat seine ganze Familie verloren durch die Schaar, die alle, die den Mund zu weit auf machen, bedrohen bzw. manchmal auch verschwinden lassen.

In einem von Ari mehr oder weniger selbst gebastelten Kustoh (einer Art U-Boot) begeben sie sich nach Lolland, wo eine Meerjungfrau die Leiterin der großen Bibliothek, ihnen eventuell weiterhelfen kann. Doch was die drei dort erfahren, taugt nicht gerade dazu, ihnen große Hoffnungen zu machen.Es gibt in den sogenannten „Untertiefen“ eine Art Riesengefängnis, in dem die Verschwundenen, soweit sie überhaupt noch am Leben sind, gefangen gehalten werden. Doch man kommt nicht dorthin, keiner weiß genau, wo der Eingang ist – und außerdem wird er strengstens bewacht.

Die jugendlichen Helden werden gefährlichen Piraten, sich freundlich gebenden Verrätern, tatsächlich sehr freundlichen Riesenquallen, hochintelligenten Meerjungfrauen und nicht zuletzt, einem dandyhaften Neptun begegnen, bevor sie ins „Herz der Finsternis“ vordringen werden.Ich darf verraten, dass sie dort tatsächlich Maxens Vater, einen entführten Wissenschaftler, finden werden und auch Aris Familie lebt noch, so dass es zu zwei glücklichen Familienzusammenführungen kommt. Mit Hilfe seines Vaters gelangen die Kinder gemeinsam mit ihm selbst wieder an die Erdoberfläche, nach Bittie Cross, das nun gar nicht mehr so langweilig erscheint.

Sicher ist die Idee einer anderen Welt, die man entweder durch einen Schrank, ein Kaninchenloch, einen Spiegel oder - wie hier - durch einen Brunnen betritt, nicht gerade neu oder originell.Doch – wie immer in der Literatur – kommt es auf die Ausführung an!
Anna Ruhe gelingt es ganz ausgezeichnet, mit vielen frischen und originellen Ideen ein spannendes Kinderbuchdebüt vorzulegen.

Ich konnte mich sehr amüsieren über die Echobells, die eine Art Mischung aus einem Telefon und großen Muscheln sind, über Süßigkeiten die so fremdartig klingen, dass ich sie gerne probieren möchte oder über die freundliche Riesenqualle Monique, die die Kinder auf dem Weg in die Untertiefen begleitete.So sehr die Autorin auch auf die Schilderung dieser fremden Parallelwelt eingeht, so verliert sie doch nie den roten Faden. Die Suche nach dem Vater bzw. der Familie Aris wird sehr spannend gestaltet, doch auch die Interaktion der drei Kinder untereinander gefällt mir. Emma, das einzige Mädchen, behauptet sich mit ihrer forschen Art und durch ihren großen Mut hervorragend neben den beiden Jungs.

Ich kann ja reine Mädchen oder Jungsbücher nicht besonders leiden, insofern freue ich mich dass man dieses Buch besten Gewissens Kindern beiderlei Geschlechts ans Herz legen kann.Was mir auch gefällt ist das Ende: es ist eine in sich abgeschlossene Geschichte, die einerseits absolut befriedigt, die aber dennoch eine mögliche Weiterführung offenlässt. Sehr gelungen!

Ein gut geschriebenes, spannendes Debüt mit vielen originellen Einfällen - man wünscht sich mehr von der Autorin!

Gerne können Sie das Buch bei mir in der Buchhandlung bestellen:

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