Mafiathriller mit viel Atmosphäre

admin 15. Januar, 2015

Dennis Lehane
The Drop - Bargeld
Übersetzer: Steffen Jacobs
Diogenes Verlag
19,90 €

Dennis Lehane, Amerikaner irischer Abstammung, wurde 1965 in Massachusetts geboren. Er arbeitete in den unterschiedlichsten Jobs, etwa als Erntehelfer und Parkplatzwächter, als Chauffeur und Kellner, er half in Buchläden aus. Anspruchsvoller war sicher seine Tätigkeit als therapeutischer Berater für misshandelte und sexuell missbrauchte Kinder, aber auch seine Arbeit mit geistig behinderten Kindern. Später studierte er Creative Writing an der Florida International University.
Seinen ersten Roman “A drink before the war” veröffentlichte er 1994, auf Deutsch erschien das Buch 1999 unter dem Titel “Streng Vertraulich”. Lehane erlangte internationale Berühmtheit durch die Verfilmung seiner Romane wie Mystic River oder Shutter Island.
Interessant finde ich auch, dass Lehane einer der Drehbuchschreiber für die wirklich großartige amerikanische Fernsehserie “The Wire” war.
Er ist verheiratet, lebt in Boston, wo auch alle seine Romane spielen und unterrichtet Creative Writing.

Die Geschichte spielt in Boston im Mafia Milieu, ein “Drop” ist ein Lokal, in dem Geld gewaschen wird. Der unscheinbare Barkeeper Bob, der in der Kneipe seines Cousins Marvin arbeitet, gerät in einen Überfall, die Polizei wird dadurch aufmerksam auf Marvins Bar, die fest in der Hand der Tschetschenen - Mafia ist.
Bob, gläubiger Katholik mit einem düsteren Geheimnis, findet in einer Mülltonne einen schwer misshandelten jungen Hund und rettet diesen gemeinsam mit Nadja, einer Frau mit nicht gerade lupenreiner Vergangenheit.

Auch wenn die Rettung des Hundes auf den ersten Blick wenig mit der Mafiageschichte zu tun hat, ist sie doch der Wendepunkt in Bobs Leben. Von nun an beginnt er sich zu wehren: gegen die Mafia und gegen die Polizei, für sich, für Nadja und für den Hund Rocco.
Lehanes knapper und authentischer Stil sorgt für Spannung, aber er schafft es auch, Mitgefühl zu wecken, Witz zu versprühen und auf einem hohen Niveau gut zu unterhalten. Seine Fähigkeit, vielschichtige Charaktere mit wenigen Worten präzise zu beschreiben ist ganz besonders ausgeprägt: hier gibt es kein plattes Gut gegen Böse, sondern jeder ist gut und böse zugleich, wenn auch in unterschiedlicher Ausprägung. Als Leser zittert man um Bob, auch wenn dieser durchaus seine Schattenseiten hat.

Böse Zungen behaupten, Lehane hätte beim Schreiben schon zu sehr auf den Film gezielt, es handele sich also eher um eine Art Drehbuch als um einen Roman. Ich kann mir zwar schon vorstellen, dass ein Autor dessen Bücher von Leuten wie Clint Eastwood und Martin Scorsese verfilmt wurden, eine neuerliche Verfilmung im Hinterkopf hat, aber ich kann absolut versichern, dass sich “The Drop” keinesfalls wie ein Drehbuch, sondern wie ein guter, sehr flüssig geschriebener Roman liest.

Sicher ist schon klar geworden, dass auch dieses neue Werk Lehanes wieder mein Wohlgefallen gefunden hat. Ich freue mich sehr, dass seine Qualität nicht nachgelassen hat, dass seine Figuren immer sehr komplex und alles andere als eindimensional sind, dass er Fragen nach Moral zwar nie stellt, aber als Leser stellt man sie sich sehr wohl bei der Lektüre.
Mittlerweile meine ich fast, mich in Boston - zumindest im kriminellen Milieu recht gut auszukennen;))

Die Tatsache, dass auch dieser neue Roman wieder sehr spannend ist, könnte fast nebensächlich wirken, aber selbstverständlich gehört eine gehörige Portion Spannung zu einem Krimi (oder Mafia-Thriller) dazu - und Dennis Lehane bedient auch diesen Wunsch.

Das Buch könnte zur “Einstiegsdroge” in Lehanes Werk werden. Diese Art von Drogen befürworte ich voll und ganz!

Gerne können Sie das bei mir in der Buchhandlung bestellen:

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