Luggi kehrt zurück

admin 6. November, 2016

Friedrich Ani

Nackter Mann der brennt

Suhrkamp Verlag 20 €

Friedrich Ani, geboren 1959, lebt in München. Er schreibt Romane, Gedichte, Jugendbücher, Hörspiele, Theaterstücke und Drehbücher. Sein Werk wurde mehrfach übersetzt und vielfach prämiert, u. a. mit dem Deutschen Krimi Preis, dem Adolf-Grimme-Preis und dem Bayerischen Fernsehpreis.

Das ist der ungewöhnlichste Kriminalroman, den ich seit langem gelesen habe!

Und das, obwohl es in der Geschichte um Kindesmissbrauch geht, ein Thema, um das ich mittlerweile einen großen Bogen mache, weil es mir zu aufgesetzt schockierend, zu voyeuristisch und zu abgeschmackt ist. Doch es gibt Ausnahmen: der neue Roman von Ani ist eine solche.

Wir erleben das Geschehen aus Sicht des Mörders, der uns an seine Rache teilnehmen lässt. Als älterer  Mann, verbraucht und gezeichnet von Drogen- und Alkoholmissbrauch kehrt Luggi Dragomir in das Dorf seiner Kindheit zurück. Mit 14 Jahren ist er von dort geflohen, niemand erkennt ihn mehr. Die späte  Rückkehr verdankt er seinen Alpträumen und seinem schlechten Gewissen. Er und andere, jüngere Kinder wurden damals von den Honoratioren des Dorfes missbraucht – und er konnte weder sich noch den Kleineren helfen. Jedes einzelne dieser Kinder wurde gebrochen, doch die alten Männer jedoch genießen ihr Leben als angesehene Mitglieder der Gesellschaft. Ist Luggi also eine positive Identifikationsfigur, eine Art Robin Hood der Schwachen und Missbrauchten? Gar so einfach macht Ani es sich nicht, die Charakterisierung seines „Helden“ fällt sehr differenziert aus – die Story nimmt den Leser mit in schreckliche Abgründe und zeigt sehr gut auf, wie aus Opfern Täter werden.

Anis Sprache ist eigenwillig, herb, stellenweise hochpoetisch, dann wieder brutal –niemals schludrig oder trivial, immer treffend und präzise. Sehr ungewöhnlich und anspruchsvoll!

Bestellen können Sie das gerne über meine Buchhandlung!

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