Graphivc Novel für klein und Groß über Chinas jüngere Vergangenheit

admin 11. March, 2010


 

 

Chen Jianghong

„An Großvaters Hand“

 

80 Seiten

Moritz Verlag

Aus dem Französischen übersetzt von Tobias Scheffel

24,80 €

 

 

Chen Jianghong wurde 1963 in Tianjin geboren. Er studierte Kunst in Beijing, lebt aber seit 1987 in Paris, wo er als freischaffender Künstler arbeitet.

Er hat sich einen Namen gemacht als Kinderbuchautor und Illustrator, seine Bücher wurden mit mehreren Preisen ausgezeichnet. So erhielt er für sein wunderschönes Bilderbuch „Han Gan und das Wunderpferd“ 2005 den Jugendliteraturpreis und für „Der Tigerprinz“ den „Luchs“ der ZEIT und den Rattenfänger Literaturpreis.

 

 

 

In seinem neuen Buch „An Großvaters Hand“ begibt er sich weg von dem Genre des Märchens, dem er bisher in seinen Bilderbüchern treu geblieben war. Er erzählt, malt und zeichnet seine eigene Kindheit im China während des großen Umbruchs.

Nun kann man fragen, ob die Kulturrevolution ein geeignetes Thema für ein Kinderbuch ist, das der Verlag mit der Altersempfehlung „ab 4 Jahren“  und versieht. Wenn man sich Jianghongs Buch genauer ansieht, kann man durchaus zu diesem Schluss kommen. Kleine Kinder werden große Freude daran haben, die vielen Details der Bilder zu entdecken und die Geschichte ist in einfachen Worten gehalten, die man als Erwachsener genau so vorlesen kann um verstanden zu werden. Es werden keine Grausamkeiten beschrieben und keine schrecklichen Einzelheiten erzählt.

Dennoch werden Kinder begreifen, dass es einfach traurig ist für die ganze Familie, wenn der Vater für lange Zeit weggeschickt wird. Was ein Umerziehungslager wirklich ist, muss ein Kind dabei nicht unbedingt verstehen.

 

Der kleine Chen lebt in einer intakten und glücklichen Familie auf dem Land in Nordchina ein ruhiges friedliches Leben. Sicher gibt es einige Probleme, so man muss sehr bescheiden leben und sich einschränken, aber die Großmutter kocht und näht, zieht kleine Küken auf und versorgt die Kinder gut. Zwar ist die große Schwester taubstumm, doch der kleine Chen freut sich darüber, dass sie ihm die Zeichensprache beibringt. Die Außenwelt entdeckt der kleine Junge vorwiegend an der Hand seines Großvaters. Mit ihm geht er in den Park, wo sie auf andere ältere Männer treffen, die darum wetteifern, wer den schönsten Singvogel besitzt; mit ihm erkundet er die Straßen und die Nachbarschaft.

 

Eines Tages ist plötzlich alles anders: Das Bild des Tigers an der Wand wird ersetzt durch das Bild Maos, die Familie wirft alte Fotografien weg und sieht nach, ob noch alle Bücher stehen bleiben können oder aussortiert werden müssen. Bald kommen die uniformierten Revolutionsgarden in die Häuser und überprüfen, ob die Bewohner linientreu sind oder noch dem alten Denken verhaftet.

 

Am Ende wird der inzwischen 8-jährige Chen, wie alle Kinder seines Alters, selber Rotgardist.

In tief berührenden Bildern erspürt man mehr die Veränderung, die das alles für das Leben eines Kindes hatte, als dass es wirklich genau erzählt wird. So sieht man den kleinen Chen bei einer freundlichen Nachbarin, die er gerne mag, kurz danach erfährt man, dass die Nachbarin weggebracht wurde und er sie nicht mehr sah. Den Rest muss man sich dazu denken.

Hier ist natürlich der erwachsene Vorleser gefragt, denn er wird selbst entscheiden müssen, wie viel er zusätzlich erklären kann oder möchte.

 

Jedenfalls ist das Buch, wenn man es denn als Kinderbuch betrachtet, ein sehr guter Einstieg, um die jüngere Geschichte Chinas ein wenig zu erklären, ohne zu sehr ins Detail gehen zu müssen.

Abhängig vom Alter und Verständnis der Kinder kann man das natürlich auch als Aufhänger für Gespräche über Freiheit und Diktatur nutzen.

 

Man kann das aber auch einfach bleiben lassen und sich an den vielen wunderschönen Zeichnungen freuen.

Ich tendiere sowieso dazu, dieses Buch weniger als normales Bilderbuch, denn als ein hochwertiges Kunstobjekt zu betrachten.

Sei es das Format, das Papier, die Farben sowie der Leinenrücken und natürlich die Zeichnungen – all das zusammen spricht die bibliophile Seele in uns an.

 

Es erinnert in seiner Art an eine „graphic novel“, wer beispielsweise die (verfilmte) sehr schöne Autobiographie der Iranerin Marjane Sartrapi „Persepolis“ mochte, wird auch von Chen Jianghongs „An Großvaters Hand“ begeistert sein.

 

 

 

Eine autobiografische Erinnerung, eine in klaren und schönen Worten erzählte Kindheitsgeschichte im China zur Zeit der Kulturrevolution.

Eine geniale Mischung zwischen  Bilderbuch, Graphic Novel und Kunstband.

 

Ein Buch für alle Menschen ab 4 Jahren bis ins hohe Alter, die Wert auf hochwertige Gestaltung und guten Geschmack legen.

 

 

 Wenn Sie das Buch bestellen möchten, geht das über folgenden Link:

 

http://thaer.shop-asp.de/shop/action/productDetails/8489252/chen_jianghong_an_grossvaters_hand_3895652105.html?aUrl=90007281

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