Gegen Hass und Ausgrenzung - für Diversität!

admin 19. Oktober, 2016

Carolin Emcke, Gegen den Hass

Fischer Verlag 20 €

Die Preisträgerin des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels 2016 (letztes Jahr erhielt Navid Kermani diesen Preis) hat soeben ein neues Buch veröffentlicht.

Carolin Emcke, 1967 geboren, promovierte Philosophin, erlangte besonders durch ihre Texte aus Kriegs- und Krisenregionen, die sie zwischen 1998 bis 2013 bereiste Bekanntheit. Ihre Bücher „Von den Kriegen“ und „Weil es sagbar ist“ handeln von dieser Zeit.

Mit „Wie wir begehren“ erzählt sie von ihrem eigenen homosexuellen Coming-Out sowie von der politischen und sozialen Bedeutung des sexuellen Handelns.

In „Gegen den Hass“ legt sie ein kluges, differenziertes aber auch leidenschaftliches Plädoyer für eine offene Gesellschaft vor.

Beginnend mit der Hetzjagd auf Flüchtlinge im sächsischen Clausnitz berührt sie Themen wie die neue Rechte in Gestalt von Pegida und Co., über die Wahrnehmung von dunkelhäutigen Menschen in den USA, erklärt die dortige Black-lives-matter-Bewegung über die Intoleranz gegen Transgender-Personen bis hin zu der menschenverachtenden Propaganda der IS.

Man könnte meinen, das sei ein sehr weiter Bogen, den sie da spannt und das alles sei auf 240 Seiten nicht abzuhandeln. Doch Carolin Emcke hakt diese Themen auch nicht einfach ab, sondern setzt sie in einen Zusammenhang. Ihre These lautet: ein Staat, ein Gemeinweisen, ist immer dann am stärksten, wenn er/es offen ist. Je diverser desto sicherer und besser lebt es sich für den Einzelnen, aber auch für das kollektive Wir.

Echte Demokratie ist nur dann zu haben, wenn alle in dieser Demokratie Lebenden daran partizipieren, wenn Minderheiten mit Respekt begegnet wird und wenn die Art und Weise wie wir leben, mit allen immer wieder neu ausgehandelt wird. Ein ausführlicher und präziser Anhang lädt ein dazu, sich weiter zu informieren.

Besonders gut gefiel mir ihr “Lob des Unreinen”, ein Essay in dem sie sich mit der hirnrissigen These dass ein möglichst reines unvermischtes Volk (oder auch eine sehr eng ausgelegte Version einer Religion) etwas Erstrebenswertes sei, auseinander setzt. Sie hingegen spricht sich für die kulturelle, religiöse, sexuelle Verschiedenheit in einem säkularen Rechtsstaat aus.

Ein intelligenter, sehr gut lesbarer Appell an jeden Einzelnen, sich drängenden gesellschaftlichen Fragen zu stellen – und sich nicht mit einfachen Antworten auf komplexe Fragen zu begnügen.

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