Archiv für die 'Unterhaltungsromane' Kategorie

Donna Tartt ist Pulitzerpreisträgerin 2014!

admin 16. April, 2014

Donna Tartt
Der Distelfink
Übersetzer: Rainer Schmidt und Kristian Lutze
Goldmann Verlag
1024 Seiten
ISBN 978-3442312399
24,99 €

Donna Tartt wurde 1963 in Greenwood, Mississippi geboren. Während ihres Studiums begann sie 1982 mit „Die geheime Geschichte“. Der bekannte (von mir allerdings nicht sehr geschätzte) Schriftsteller Bret Easton Ellis riet ihr, sich an die Literaturagentin Amanda Urban zu wenden. Ein guter Rat offensichtlich. Auch wenn es noch ein paar Jahre dauern sollte, wurde der 1992 veröffentlichte Roman einer der größten Bestseller weltweit. Er verkaufte sich sage und schreibe über 5 Millionen mal.

„Der kleine Freund“ der 2002 erschien war ebenfalls ein richtig gutes Buch, der große Erfolg blieb aber diesmal aus.Und wieder ließ sich die Autorin ganz schön lange Zeit bis zur nächsten Veröffentlichung. Erst 2013 kam das Buch auf Englisch heraus und auf Deutsch 2014. Die Verkäufe laufen sehr gut an und ich bin sicher dass das Buch auch ein Bestseller werden wird, ob es die 5 Millionen Grenze knackt, wer weiß…
Aber das muss ja auch nicht immer so sein.

Der 13-jährige Theo lebt mit seiner Mutter in New York. Wegen einer schulischen Verfehlung müssen die beiden zum Direktor der Schule zu einem Gespräch.
Um sich die Zeit bis dahin zu vertreiben gehen die beiden noch vorher in ein Museum. Bei einem terroristischen Anschlag, der jedoch nie näher definiert wird, explodiert eine Bombe, viele Menschen – darunter auch Theos Mutter – sterben dabei. Theo verbringt


 

die letzten Minuten mit einem alten Mann, der ihm einen Ring schenkt bevor er stirbt. Theo nimmt – ohne nachzudenken- das Bild, das seiner Mutter so wahnsinnig gut gefallen hatte, den „Distelfink“ von dem niederländischen Maler Carel Fabritius einfach mit; in dem Chaos fällt das nicht weiter auf.
Theos Vater ist schon seit längerem abgetaucht, mit seinen Großeltern hatte er fast nie Kontakt – und er möchte auch keinen, die Unterbringung in einem Heim droht also. Da fällt ihm ein Freund aus der Grundschulzeit, Andy, ein – zu dem er vorerst ziehen kann.Andys Familie gehört zur Upperclass, ist distanziert freundlich, doch akzeptiert Theo weil er dem nerdigen Außenseiter Andy gute Gesellschaft leistet.
Gerade als Theo dabei ist, sich einzugewöhnen, taucht sein Vater wieder auf und nimmt ihn mit zu sich nach Los Angeles. Der Vater und seine Freundin sind das krasse Gegenteil zu seiner kulturbewussten und intellektuellen Mutter, aber auch zu dem Leben in der High Society bei den Barbours: Alkohol, Spielsucht, Tablettenmissbrauch und wechselnde Gefühlsaufwallungen sind nicht gerade die besten Voraussetzungen für die Psyche eines schwer traumatisierten Jungen.
Ein Glück (oder evtl. das Gegenteil?) dass er in Boris, dem russischstämmigen Schulkameraden einen Freund findet. Boris, ebenfalls alleine bei seinem Vater, einem zwielichtigen Element, lebend und Theo machen von nun an alles zusammen. Vor allen Dingen saufen sie, kiffen und experimentieren mit allen möglichen anderen Drogen.

Trotzdem gibt es neben fürchterlichen Exzessen auch wunderbar anrührende Momente der Freundschaft und viel Humor – Boris ist oft einfach total witzig und reißt Theo aus seinen schwarzen Momenten. Allerdings geht das problemlos nur so lange bis Boris sich in Kotku verliebt.Das Gemälde ist in der Zwischenzeit immer gut in Papier und Zeitungen gewickelt unter Theos Bett, er weiß einfach überhaupt nicht, was er damit machen soll. Sich jetzt – so spät der Polizei zu stellen – erscheint ihm falsch, also schweigt er.

Er schweigt noch viele Jahre…

Theo ist – nach dem Tod seines Vaters – wieder nach New York zurückgekehrt, der Kontakt zu Boris ist abgebrochen, er wohnt nun bei Hobie, dem Freund des toten alten Mannes, der ihm bei dem Anschlag den Ring geschenkt hat. Er wird wie Hobie Möbelrestaurator und findet große Zufriedenheit in dieser Arbeit. Pippa, die Enkelin des alten Mannes, die bei dem Anschlag ebenfalls verletzt und traumatisiert wurde, ist immer wieder zu Besuch bei Hobie. Pippa ist und bleibt Theos große Liebe, auch wenn er es erst spät merkt und ihr nie gesteht.
Es folgen dann immer Abschnitte, in denen ein paar Lebensjahre übersprungen werden.Theo ist schwer drogensüchtig, macht dann aber eine erfolgreiche Entziehung, fasst wieder Fuß, verlobt sich schließlich mit Andys kleiner Schwester, denn Pippa ist verlobt und lebt in England.

Doch eines Tages taucht plötzlich Boris wieder auf – nun beginnt ein wahnwitzige Odyssee die die beiden nach Amsterdam führt, mitten in ein blutiges Drogen und Verbrechermilieu. Das gestohlene Gemälde spielt eine Schlüsselrolle das ganze Buch hindurch.
Theo wird Dinge tun und in Situationen kommen, die er nicht unbeschadet überstehen kann.

Ich habe mich während der Lektüre immer mal wieder gefragt, ob das eigentlich nun E – oder U-Literatur ist (ich weiß den Ausdruck gibt es eigentlich nur bei Musik, aber man versteht so besser was ich meine). Mir ist klar, dass das die meisten Leser gar nicht so interessiert, aber ich finde die Frage relevant, denn bei manchen Autoren ist es einfach klar, dass sie reine Unterhaltungsbücher schreiben, und bei anderen ist es ebenso klar, dass sie anspruchsvolle Literatur schreiben. Bei Donna Tartt war ich mir schon bei den Vorgängerbüchern nicht so ganz sicher und ich bin es auch hier nicht.
Sie kann sich unglaublich gut in die seelischen Abgründe von Menschen einfühlen und Gedanken und Gefühle glaubhaft rüberbringen. Es gelingt ihr, Gemälde in großartigen Worten und in sprachlichen Bildern so zu beschreiben, dass man meint sie zu sehen. Sie umschifft mit klarem Gespür jede eventuelle Kitschfalle. Sie schreibt abwechslungsreich, stilsicher und über weite Strecken hinweg auch sehr spannend.
Egal ob nun Hoch- oder Unterhaltungsliteratur: wenn jemand auf diesem Niveau Unterhaltungsromane schreiben kann, dann verschwimmt diese Grenze ganz einfach - ich brauche sie dann nicht mehr.

Gestern wurde bekanntgegeben, dass Donna Tartt für dieses Buch den begehrten Pulitzer Preis gewonnen hat. Glückwunsch!

Wenn Sie das Buch bestellen wollen, können Sie das gleich hier in meiner Buchhandlung tun:

Der farblose Roman des Herrn Murakami

admin 2. Februar, 2014

Haruki Murakami, der bekannteste japanische Schriftsteller Japans, dessen Bücher in 40 Sprachen übersetzt wurden, der Autor der seit vielen Jahren Kultstatus hat und dessen Namen immer mal wieder auf der heimlichen Hotlist zum Literaturnobelpreis steht, hat einen neuen Roman geschrieben. In Japan erschien das Buch bereits im Frühjahr 2013 und entwickelte sich in kürzester Zeit zu seinem am häufigsten  verkauften Buch – und das will etwas bedeuten, da sich alle seine Bücher rasend und häufig verkaufen – und nicht nur in Japan!

Ich habe mir mit einiger Vorfreude das mit viel Vorschusslorbeeren bekränzte Buch dann auch sofort nach Erscheinen gegriffen, leider wurde aus der Vorfreude nicht allzu viel echte Freude.

Warum das so ist, versuche ich zu erklären.

=== Daten: ===

Haruki Murakami

Die Pilgerjahre des farblosen HerrnTazaki

Übersetzerin: Ursula Gräfe

Dumont Verlag

ISBN 9783832197483

318 Seiten

22,95 €

=== Autor: ===

Murakami wurde 1949 in Kyoto geboren, seine Eltern unterrichteten japanische Literatur. Er selbst jedoch begann schon als Jugendlicher sich für westliche, besonders amerikanische Literatur zu interessieren. Er studierte Theaterwissenschaften, arbeitete in Musikbars und Kneipen und betreibt auch heute noch – neben der Schriftstellerei, von der er mehr als gut leben kann, eine eigene Jazzbar. Seit 1971 ist er mit seiner Frau Yoko verheiratet.

Am 12. Januar 2014 feiert er seinen 65. Geburtstag.

Es ist müßig, all seine zahlreichen Veröffentlichungen aufzuzählen, Erfolge wurden sie fast alle – interessanterweise sowohl Verkaufserfolge wie auch Feuilletonerfolge. Einige der bekanntesten nenne ich dennoch: Gefährliche Geliebte, Naokos Lächeln, Kafka am Strand, Sputnik Sweetheart und seine zuletzt erschienen Sciencefiction Trilogie 1Q84.

=== Inhalt: ===

Tsukuru Tazaki ist 36 Jahre alt, lebt in Tokyo, ist alleinstehend und baut Bahnhöfe. Seine sozialen Kontakte sind sehr beschränkt, es gab zwar Frauen in seinem Leben, aber nichts ging tief und dauerte an. Er sieht normal gut aus, ist freundlich und klug, aber es fehlt ihm an dem „Besonderen“, er ist irgendwie „farblos“. Zumindest empfindet er es so.

Als er Sara kennen lernt, empfindet er zum ersten Mal das Gefühl, sich eine echte Verbindung zu wünschen, er kann sich sogar eine Ehe vorstellen. Sara, die ihn auch mag findet aber bald heraus, dass er – bevor er sein Jugendtrauma bearbeitet hat – wohl nie ganz öffnen kann. Sie bringt ihn dazu, sich seiner Vergangenheit zu stellen.

Tsukuru gehörte in seiner Schulzeit einer Gruppe von Freunden – 3 Jungen und 2 Mädchen – an, die in gewisser Weise die perfekte Gruppe war. Alle mochten sich, hingen gerne und ausschließlich miteinander ab, verbrachten die ganze Freizeit miteinander und liebten sich auch wenn es unausgesprochen klar war dass es wohl nie zu einer Paarbildung kommen dürfe, sonst würde die Gruppe auseinanderfallen. Alle anderen Freunde hatten eine Farbe im Namen, nur er nicht, also war er auch dem Namen nach „farblos“.

Als einziger ging er nach dem Abitur nach Tokyo zum Studieren, die anderen blieben in der Provinzstadt. Doch das schadete der Freundschaft nicht, sooft es ging fuhr er heim und traf sich mit den Freunden. Bis er eines Tages von seinen Freunden verstoßen wurde. Ihm wurde kein Grund für den plötzlichen Kontaktabbruch genannt und er traute sich nach der ersten Abfuhr nicht mehr weiter zu fragen, was eigentlich los sei. Dieser Rausschmiss aus dem Himmel brachte ihn an den Rand des Selbstmords, doch nach einigen Monaten fing er sich und begann wieder zu leben. Er gewann sogar noch einmal einen neuen Freund, doch nachdem auch dieser ihn sang-und klanglos verlassen hatte, verzichtete er auf enge Kontakte. Solange bis besagte Sara ins Spiel kam, die ihn dazu überredete, seine alten Freund wieder zu suchen.

Seine Spurensuche führte ihn bis nach Finnland. Ob die selbst gewählte Vergangenheitsbewältigung erfolgreich war lässt Murakami letztendlich offen.

=== Stil: ===

Es ist normalerweise kein Schaden, wenn Schriftsteller einfach und klar schreiben. Wenn Murakami hier „einfach“ schreibt, dann ist das allerdings meist dermaßen simpel, dass ich mich an mittelmäßige Schulaufsätze erinnert fühle. Kurze schmucklose Sätze, wenig Assoziationen und wenig Metaphern sorgen für eine knappe und kühle Sprache. Diese wiederum wird durch viel Gefühl, das behauptet wird, konterkariert. Das klingt dann irgendwie so, als schreibe jemand absolut strohtrocken und nüchtern, dass sein Romanheld unter tiefen Seelenqualen leide. Das steht dann zwar so da, aber man spürt es als Leser nicht und man fühlt nichts.

Der Autor arbeitet mit extrem vielen Wiederholungen, nahezu alles was irgendwie wichtig ist, wird nahezu wortgleich nur wenig später nochmal gesagt. Damit man auch merkt, wie wichtig es ist!

Normalerweise ist Murakami sehr geschickt darin, Anspielungen – oft auch Surreales und leicht Verrücktes – in seine Texte mit einzuarbeiten. So dass man als Leser mitunter meint, es gäbe noch eine zweite Ebene hinter der vordergründigen die man gerade liest. Er versucht das auch hier, leider liegt die Betonung auf „versucht“, denn es gelingt ihm nicht gut. Es tauchen auch hier geheimnisvolle Elemente wie der 6. Finger von Menschen auf oder sich extrem echt anfühlende Träume auf, aber das ist alles wie allzu bewusst hingestreut, es entwickelt sich auch nichts weiter daraus.

Ich kann nicht anders als feststellen, dass sein einfacher Stil nicht einfach im Sinne von klar, knapp und gut ist, sondern vielmehr im Sinne von simpel und banal.

=== Meine Meinung: ===

Ich weiß, dass Haruki Murakami gut schreiben kann. Ich habe nun schon einiges von ihm – mal mehr oder weniger gerne – gelesen. Zwar bin ich schon lange der Meinung, dass er gnadenlos überschätzt wird (und ganz bestimmt keinen Literaturnobelpreis verdient), aber dennoch mochte ich einiges von ihm sehr gerne. Am liebsten mag ich eigentlich seine Kurzgeschichten, da gibt es einige richtig tolle, aber ich habe mich auch durch die 3 Teile von 1Q84 durchgearbeitet und zumindest die ersten beiden Teile fand ich sehr unterhaltsam, den 3. Teil dann zwar nicht mehr – aber schlecht war das nicht.Gerade wenn ich weiß, dass ein Autor mehr kann, dann erwarte ich auch ein wenig mehr von ihm.

Die Ausgangssituation des Romans ist nicht uninteressant, denn die Frage, wie und warum ein glücklicher Junge so plötzlich zum Außenseiter wird und wie er später als Erwachsener damit umgeht ist durchaus ein guter Plot. Ich kann nun schlecht erklären – ohne zum Spoiler zu werden – warum mich die Aufklärung so enttäuscht hat, aber ich kann immerhin sagen, dass sie absolut unlogisch ist. Auch der Umgang der Freunde später miteinander ist unglaubwürdig. Die Gespräche mit ihnen sind holzschnittartig und niemals so, dass man denkt, das könnte tatsächlich so ablaufen.

Ein weiterer Punkt den ich bemängeln muss ist die Erotik in dem Buch: eine so unerotische Erotik, in der mechanisch erklärt wird, wo und wie man sich wohin „ergossen“ hat, habe ich echt schon lange nicht mehr gelesen. Das mag zwar noch besser sein, als schwülstige oder vulgäre Erotik, aber wenn man schon so relativ viel über Sex schreibt, dann ist es schon eine negative „Kunst“ das dermaßen hölzern und trocken hinzukriegen.

Inhaltlich ärgerte ich mich auch über den flapsigen Umgang mit dem Thema Vergewaltigung, das zwar wieder als ernsthafte Auseinandersetzung behauptet wird, aber ganz arg nur an der Oberfläche kratzt.

Das Ende bzw. die Auflösung der Geschichte ist dann gleich nochmal höchst ärgerlich, denn viele der Fäden die gesponnen wurden, werden nicht mal ansatzweise aufgenommen und das offene Ende (ich mag ja eigentlich offene Enden) ist einfach so, dass man denkt: nun ist ihm nichts Gescheites mehr eingefallen, deshalb hört er einfach auf.

Meine Hauptkritik liegt aber sehr viel mehr an seinem schlechten Stil, Murakami entwickelt hier keine echten Charaktere, genau wie sein Spiel mit den Namen und den Farben bleibt alles sehr oberflächlich. Niemand ist sympathisch oder unsympathisch, man fühlt mit niemandem mit, alle  (eben nicht nur der farblose Herr Tazaki) bleiben farblos und letztendlich uninteressant.

Murakami behauptet Gefühle und Charaktereigenschaften, aber er beschreibt sie nicht so, dass man sie fühlt.

Am Ende angelangt, war ich mehr als ärgerlich. Da ich ja weiß, dass er viel mehr und besseres kann, frage ich mich tatsächlich, ob er seine Leser- und Anhängerschaft etwa ein bisschen „verarschen“ möchte. So nach dem Motto: ich bin jetzt so berühmt und habe schon so viel Geld, jetzt kann ich mal ein richtig schlechtes Buch schreiben – mal gucken ob es jemand merkt….

Zutrauen würde ich ihm das, vielleicht freut er sich diebisch über die Super Rezensionen und Bewertungen und die hohen Verkaufszahlen und lacht sich heimlich ins Fäustchen. Bei Amazon gibt es noch nicht viele Besprechungen, aber anscheinend sind alle begeistert.

Nun –ich nicht: ich bin ziemlich enttäuscht und ich weiß auch nicht, ob ich sein nächstes Buch noch lesen möchte. Ich fühle mich ein bisschen wie das Kind, das ruft „aber der Kaiser ist ja nackt…“

Mal sehen, ob irgendjemand das auch bemerkt, noch warte ich auf Kritiken in den Literaturbeilagen, ich bin gespannt.

=== Fazit: ===

Banal, hölzern und uninteressant!

wer sich gerne eine eigene Meinung bilden möchte, kann das Buch gerne hier bestellen:

Aus dem südafrikanischen Slum bis zum schwedischen König - eine Aufsteigerkarriere?

admin 17. November, 2013

Jonas Jonasson „Die Analphabetin die rechnen konnte“

Übersetzer: Wiebke Kuhn

carl‘s books

19,99 €

Nach einem so durchschlagenden Erfolg wie „Der Hundertjährige der aus dem Fenster stieg und verschwand“ kann man als Autor das zweite Buch ja eigentlich nur vermasseln. Oder etwa doch nicht?

Zu meiner großen Freude vermasselt der Schwede Jonasson seinen Zweitling absolut nicht, sondern legt im Gegenteil einen rasanten, witzigen und abenteuerlichen Unterhaltungsroman hin.

Nombeko, eine junge Südafrikanerin, Vater unbekannt, Mutter drogensüchtig, Analphabetin, von Beruf Klofrau gerät durch einen Zufall in den Besitz einer Atombombe, mit der sie dann nach Schweden flieht, sich dort in Holger 2 (der noch einen Zwillingsbruder namens Holger 1 hat) verliebt und mit diesem gemeinsam mehrere Jahre lang versucht, die vermaledeite Bombe auf elegante Weise wieder los zu werden. Nebenbei bemüht sie sich noch zu studieren, viele Sprachen zu lernen, legal zu werden, ein Kind zu bekommen und sich mit möglichst „normalen“ Leuten zu umgeben.

Einige ihrer Ziele wird sie erreichen, andere – das mit den normalen Leuten beispielsweise - nicht.

Klingt zu absurd und abgefahren, zu unrealistisch? Vollkommen richtig!

Es handelt sich hier weder um eine realitätsnahe Darstellung noch um hohe Literatur, sondern um einen fantasievollen, extrem lustigen Abenteuerroman mit herzerwärmend sympathischen Protagonisten. Wenn man nebenbei auch einiges über südafrikanische und schwedische Geschichte und über die Absurdität der unterschiedlichsten Ismen erfährt, ist das sicher kein Schaden.

Mit seinem trockenen Humor, seinen aberwitzigen Volten und schrägem Charme macht das Buch einfach gute Laune – und das sogar an nasskalten dunklen Tagen wie jetzt!

Sie können das Buch gerne hier bestellen:

 

 

 

Der Machatschek - Leichenschmaus

admin 9. Juli, 2013

Soll man den „Leichenschmaus“ einen Krimi nennen? Oder doch besser in die Ecke „Humor“ schieben? Auch besteht die Möglichkeit, das als Buchbegleitung zur Musik zu bezeichnen. Underground-Literatur? Österreichischer Humor? Oder gar als ein Gesamtkunstwerk?

Egal – alles passt!

Wer Sinn für hintergründigen Humor hat und nicht abgeneigt ist, sich manche österreichischen Vokabeln anzueignen, kann sich köstlich amüsieren bei dieser wahnwitzigen Story.

Der Machatschek, die Hauptfigur des Romans ist eine real existierende Person. Ein Wiener  Maurer, der sich nachdem seine Firma pleite gegangen ist, als Musiker durchschlägt und einerseits der Herausgeber (aber nicht der Autor – gute Frage: wer ist eigentlich der Autor?) dieses Buches ist, andererseits aber auch der Romanheld und dann auch noch der Musiker, dessen Lieder mit eigener Gitarrenbegleitung als Download mit dem Buch zu erwerben sind.

Dieser Machatschek also möchte mit seinem letzten Geld ab nach Rio fliegen, in Wien hinterlässt er nur seinen Hund Jackie (der ihn begeistert und ausdauernd zärtlich in die Wade beißt), seinen Freund Charlie Bronko und eine bankrotte Firma.

Nach der Abschiedsfeier mit seinen alten Kollegen wacht er – der eher bekannt ist für seinen Kräutertee  Konsum – mit einem gewaltigen Kater auf. Doch was kann der Grund dafür sein, dass ihn plötzlich alle für einen Auftragskiller halten? Warum bekommt er einen Auftrag nach dem andern, so viele Menschen, die er „erledigen“ soll? Hätte er mal so viele Aufträge als Maurer bekommen, dann müsste er nicht nach Rio und seine Firma wäre nicht pleite.

Unversehens, ungewollt und unschuldig wie ein Baby gerät der Machatschek mitten hinein in die Unterwelt, trifft die wildesten Typen und entkommt oft nur mit knapper Not dem Tode. Dass er sich in eine seiner Auftragsgeberinnen, die Lisi, verliebt, macht die ganze Sache noch komplizierter. Eigentlich möchte der Machatschek ja doch lieber Mauer bleiben als ein Mörder werden.

Wer wissen möchte, wie bzw. ob er sich da herauswindet, muss das selber lesen.

Ich kann versprechen, dass  das ganz bestimmt kein Schaden ist, sondern im Gegenteil ein großes Vergnügen! Mein Lesefluss wurde immer wieder durch heftige Kicherattacken unterbrochen – und auch die zugehörige Musik weiß zu gefallen.

Bestellen können Sie das gleich hier bei mir:

Meyerhoff, Alle Toten fliegen hoch

admin 28. Juni, 2013

Joachim Meyerhoff , Alle Toten fliegen hoch – Amerika

Kiepenheuer und Witsch Verlag

9,99 €

Joachim Meyerhoff wurde 1967 in Homburg geboren, er ist Regisseur, Schauspieler (am Wiener Burgtheater) und nun auch Schriftsteller.

In seinem Romandebüt, das als Trilogie angelegt ist, geht es um einen Jungen aus der Provinz, der in die große weite Welt aufbricht. Etwas prosaischer gesagt: ein 17-jähriger der sich für ein Austauschjahr in den USA bewirbt. Er landet in einem kleinen Kaff in Wyoming, bei einer recht netten Familie, deren jüngster Sohn im allerdings das Leben sehr schwer macht.

Zwischen dem Bemühen, in die Basketballmannschaft aufgenommen zu werden, ein Date mit Maureen, dem Mädchen mit der Betonfrisur zu bekommen, Annäherungsversuchen an ein sich sträubendes Pferd und einem Besuch in dem Todestrakt eines Gefängnisses spielen sich jede Menge absurde, witzige, skurrile und auch stinknormale Episoden ab.

Unterbrochen wird das Auslandsjahr durch ein entsetzliches Unglück: sein Bruder ist durch einen Unfall ums Leben gekommen, Joachim entschließt sich dennoch, nach der Beerdigung wieder in die USA zurückzukehren und genießt trotz der großen Trauer seine restliche Zeit dort.

Ich habe das Buch unheimlich gerne gelesen und freue mich sehr auf die kürzlich im Hardcover erschienene Fortsetzung „Wann wird es endlich wieder so wie es nie war“.

Ein wie locker dahin geschrieben wirkender, dabei aber stellenweise sehr bewegender Entwicklungsroman, der mich häufig zum Lachen reizte.

Meyerhoff ist ein prima Geschichtenerzähler, er amüsiert und unterhält ohne oberflächlich zu sein.

Wer „Tschick“ mochte, wird „Alle Toten fliegen hoch“ lieben!

Gerne können Sie das Buch gleich hier bei mir bestellen:

 

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