Archiv für die 'Unterhaltungsromane' Kategorie

Sehr unterhaltsames Buch für zwischendurch

admin 6. März, 2017

Radek Knapp

Der Mann, der Luft zum Frühstück aß

Deuticke Verlag

16 €

Da ich oft ein Problem mit “lustigen” Büchern habe, bin ich immer sehr froh, wenn mir mal etwas unterkommt, das ich wirklich lustig finde. Die Leseprobe versprach es ja schon und das schmale Bändchen (128 Seiten) hält das: ein Buch voll schrägem Humor!
Walerian (von seiner nicht sehr verantwortungsvollen Mutter nach einem polnischen Beruhigungsmittel benannt) wächst bei seinen Großeltern in Polen auf. Als er 12 Jahre alt ist, taucht die mittlerweile untergetauchte Mutter wieder auf und zieht mit dem Jungen nach Österreich.
Die Schule ist nicht so ganz das Richtige für ihn, aber er schlägt sich tapfer durch, versucht sich mit allen möglichen Jobs, entdeckt sein Interesse an Mädchen und irgendwann geschieht etwas, das ihn verändert.
Eigentlich gefiel mir das Buch aber weniger wegen seiner “Story”, sondern wegen des ironischen Stils, ungewöhnlicher Einfälle und der dennoch hintergründigen Melancholie.

Bestellen können Sie das gerne hier:

Eine jüdische Familiengeschichte

admin 17. Januar, 2017

Marcia Zuckermann

Mischpoke

Frankfurter Verlagsanstalt

24 €

Marcia Zuckermann wurde 1947 in Ost-Berlin geboren. Ihr jüdischer Vater überlebte den Holocaust als politischer Gefangener im KZ Buchenwald, ihre protestantische Mutter war als Kommunistin im Widerstand aktiv. 1958 musste die Familie die DDR als Dissidenten verlassen. In West-Berlin absolvierte Marcia Zuckermann eine Ausbildung als Werbewirtin im Verlagswesen und war Mitbegründerin und Geschäftsführerin einer Zeitschrift. Sie lebt als freie Journalistin und Autorin in Berlin.

Mischpoke bedeutet im Jiddischen „Familie“  - und um einen Familienroman, der die Kohanims über 100 Jahre hinweg begleitet, handelt es sich hier auch.

Samuel Kohanim, Sägewerksbesitzer in Westpreußen hat sieben Töchter, die unterschiedlicher nicht sein könnten, es eint sie nur der Wunsch nicht so zu werden wie ihre verhärtete und verbitterte Mutter Mendel.

Die Auswirkungen des Ersten Weltkriegs treiben große Teile der Familie nach Berlin. Zwischen dem roten Wedding und bürgerlichen Modeateliers, Kommunisten und Zionisten lesen wir von Liebesgeschichten, davon mehr unglückliche als glückliche, Mischehen, geliebten und ungeliebten Kindern, Schwestern die sich spinnefeind sind, sich dann aber doch in der Not helfen, Antisemiten und Nazis. Leider lesen wir auch von vielen Toten und von viel Leid, aber wie sollte das bei einer jüdischen Familiengeschichte, die im 20. Jahrhundert spielt, auch anders sein. Bewundernswert mit wie viel Verve, mit welch tollen Charakterbeschreibungen und auch mit Humor die Autorin die Geschichte ihrer eigenen Familie lebendig macht!

Marcia Zuckermann versteht es hervorragend, mit diesem rasanten, gewitzten und bewegenden Roman einen ganz eigenen und persönlichen Akzent zu setzen. Sie erzählt authentisch über deutsche, polnische und jüdische Zeitgeschichte und findet durch die – leider etwas zu kurz gekommene – Rahmenhandlung auch noch den Bogen zur aktuellen Flüchtlingsdebatte.

Ein lesenswerter Roman!

Elvira Hanemann

Über eine Bestellung bei mir in der Buchhandlung würde ich mich freuen!

Darf Literatur fiktiv sein???

admin 21. September, 2016

Das Interesse, das eine Leseprobe bei mir geweckt hatte, hat sich beim Lesen des gesamten Romans im Wesentlichen halten können.
Die inneren Seelenzustände der Schriftstellerin (ob es sich wohl um Delphine de Vigan selbst handelt? Zumindest spielt die Autorin mit diesem Gedanken, denn ihre Schriftstellerin heißt ebenfalls Delphine) werden sehr gut und sehr nachvollziehbar geschildert.
Natürlich möchte man wissen, um wen es sich bei der ominösen L. handelt, warum sie die Dinge tut, die sie tut. L. treibt Delphine in eine über zwei Jahre währende Schreibblockade, sie entfremdet sie ihren Freunden, sogar ihrem Geliebten. Doch das wird leider nie ganz klar.
So spannend ich es fand, zu lesen wie sich Delphines Schreibblockade manifestiert, so unbefriedigend fand ich letztendlich die Figur der L. Ich hätte gerne gewusst, was jemanden wie sie antreibt, was ihre Verletzungen sind, warum sie schießlich sogar zum Äußersten bereit gewesen wäre. Aber irgendwie kommt sie einem als echter Charakter nicht näher.
Eher negativ aufgestoßen ist mir auch der ewige Streit um die Frage ob Literatur fiktiv oder realistisch sein soll. Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine echte Schriftstellerin sich diese Frage wirklich stellt. Natürlich ist Literatur (auch autobiografisch untermauerte) immer fiktiv, sonst wäre es keine Literatur. Auch wird ein guter Schriftsteller/in sich nicht unbedingt danach richten, was “der Leser” angeblich möchte.
Ich bin in meiner Gesamtbewertung etwas gespalten: der Stil ist wirklich sehr gut, interessant ist das Ganze auch, aber eben nicht hundertprozentig überzeugend.

Lesenswert ist das Buch aber allemal!

Bestellen können Sie es gerne in der Buchhandlung Thaer

Mit Digby als Freund gibt’s keine Langeweile mehr - manchmal wäre sich langweilen aber gar nicht so schlecht

admin 5. Juni, 2016

Stephanie Tromly

Digby #1

Übersetzerin:  Sylke Hachmeister

Oetinger Verlag

14,99 €

Die 16-jährige Zoe muss mit ihrer Mutter weg aus New York City in ein kleines Kaff ziehen. Sie findet alles schrecklich dort und es gelingt ihr auch nicht, neue Freunde zu finden.

Ein sehr seltsamer Junge (Anzugträger!) namens Digby  rückt ihr aber mit so ungewöhnlichen Methoden auf die Pelle, dass ihr wenig anderes übrig bleibt als sich mit ihm abzugeben. Besser ein komischer Freund als gar keiner.

Gemeinsam mit dem notorischen Schulschwänzer Digby erlebt sie allerdings Dinge, die ihren eher spießigen  Alltag ordentlich aufmischen:  ein waghalsiger Einbruch in die Praxis eines verdächtigen Gynäkologen, Versuche, eine verschwundene Mitschülerin zu finden,  waghalsige Autofahrten, unfreiwillige Besuche auf der Polizeiwache und noch einige brisante Abenteuer mehr.  Von Langeweile keine Spur mehr – was auch an Eric, einem alten Schulfreund Digbys liegen mag, in den Zoe sich ein wenig verguckt hat.

Die drei zusammen stürzen sich in Unternehmungen, die letztendlich etwas zu groß und gefährlich für Jugendliche sein könnten. Irgendwann versteht Zoe aber, warum Digby die  Suche nach der verschwundenen Schülerin gar so wichtig ist: vor Jahren ist seine eigene kleine Schwester verschwunden – und er ist immer noch auf der Suche nach ihr.

Trotz dieses ernsten Hintergrundes mochte ich das Buch vor allem wegen seines unglaublich intelligenten Witzes.

Es ist mir schon lange nicht mehr so gegangen, dass ich während des Lesens in lautes Lachen ausbrechen musste. Es sind weniger die – allerdings auch oft sehr lustigen – verrückten Ideen Digbys, die mich so erheiterten, sondern vor allem der  große Sprachwitz. Es versteht sich von selbst, dass ich der Übersetzerin ein großes Lob ausspreche, denn es ist ihr wunderbar gelungen, diesen Witz ins Deutsche herüberzuretten.

Auch wenn das Buch in sich schlüssig endet, lässt es den Leser doch auf eine Fortsetzung hoffen.

Spannend, witzig und mit sehr sympathischen, weil so herrlich unperfekten Protagonisten ist dieser Jugendroman jeder/jedem ab etwa 14 Jahren anzuraten!

Bestellen geht hier

Flüchtlingsschiff im Mittelmeer trifft auf Luxusdampfer

admin 21. September, 2015

 

Merle Kröger
Havarie
ISBN 978-3-86754-224-1
256 Seiten, gebunden
Argument Verlag
15 €

Warum habe ich wohl dieses Buch gelesen? Weil mir das Cover gefällt oder der kurze Titel? Weil mir Merle Kröger, dadurch dass sie schon mal den Deutschen Krimipreis erhalten hat, ein Begriff war?

Ja, sicher: beides mag eine Rolle gespielt haben, aber wesentlicher erscheint mir doch das Thema des Romans zu sein. Ein Thema, das nicht nur mich sehr bewegt - und auch nicht erst seit kurzem.Es geht um das Flüchtlingsdrama, das sich um uns herum abspielt. Genauer gesagt, das sich immer noch zu großen Teilen im Mittelmeer abspielt. Ich weiß gar nicht mehr, wie schrecklich viele Menschen mittlerweile dort ertrunken sind.
Wie hierzulande immer noch einige (die Mehrheit ist es zum Glück nicht) davon sprechen können, dass es sich um “Wirtschaftsflüchtlinge” handele, ist mir ein Rätsel. Wer solche Leiden und Gefahren aus sich nimmt, tut das nur aus einer existenziellen Not heraus.

Wirtschaftsflüchtlinge sind für mich eher die Firmen, die ihre Produktion ins Ausland verlagern um nicht mehr in Deutschland ihre Steuern zahlen zu müssen. Aber das nur am Rande…

Merle Kröger, geboren 1967, hatte für ihren Roman „Grenzfall“ bereits den Deutschen Krimipreis erhalten. Sie ist Filmproduzentin, Drehbuch – und Romanautorin und lebt in Berlin.

In ihrer neuesten Veröffentlichung „Havarie“ geht sie auf ein Thema ein das tatsächlich aktueller nicht sein könnte: es geht um Flüchtlinge, die übers Mittelmeer versuchen, nach Europa zu kommen.

Ein kleines Schlauchboot voller Flüchtlinge, ein Luxuskreuzfahrtschiff, ein irischer Frachter und ein Schiff der Seenotrettung treffen in einer stürmischen Nacht aufeinander.Auf diesen vier Schiffen kommen die unterschiedlichsten Menschen mit den unterschiedlichsten Schicksalen zusammen. Für die einen geht es um ihr Überleben, für die andern ist das kleine Schlauchboot eine Art Abwechslung zwischen Bingo spielen, Cocktails schlürfen und auf dem Sonnendeck herum liegen.

Doch so plakativ sich das anhören mag beschreibt Merle Kröger das Thema Flüchtlinge zum Glück nicht!In schnellen Perspektivwechseln werden elf Menschen und ihre Schicksale vorgestellt: junge Männer aus Algerien und Syrien, eine Sicherheitsbeamtin, eine abgewiesene Asylbewerberin, eine reiche alte Frau im Rollstuhl, die mehr Dinge auf dem Schiff sieht, als man meinen könnte, ein verschwundener Bordmusiker und ein skrupellos ehrgeiziger Sicherheitschef – das sind nur einige der Menschen, die hier wie in einem Mosaik auftauchen (manche tauchen leider auch unter).

Ein Krimi? Ein Thriller? Diese Genrebezeichnungen treffen sicher auch zu, der knappe Stil im schnellen Wechsel sorgt für Spannung – doch für mich ist das viel mehr als ein guter Kriminalroman.Man merkt durchaus, dass die Autorin mit Filmen und Drehbüchern zu tun hatte. Ich habe beim Lesen förmlich einen Film vor mir gesehen. Ich meine das nicht negativ, aber natürlich führt diese Art des Schreibens nicht unbedingt zu einem literarischen Highlight, aber das muss es ja auch nicht immer sein.
Jedenfalls liest sich der Roman sehr flüssig und er ist spannend.

„Havarie“ wirft ein Schlaglicht auf eines der dringendsten politischen Probleme unserer Zeit.Man kann von einem Spannungsroman nicht erwarten, dass er „die Lösung“ zeigt, doch dass er den Finger auf die Wunde legt, zum Selber denken anregt, bewegt und dennoch unterhält – all das kann und darf man erwarten. Diese Erwartungen werden dann auch aufs Beste erfüllt!

Ich war jedenfalls von “Havarie” so angetan, dass ich gleich im Anschluss auch noch ihren Erstling “Grenzfall” las. Auch in diesem Buch geht es um einen poltisch sehr brisanten wahren Fall: vor Jahren hatten Jäger in Mecklenburg-Vorpommern zwei Roma erschossen, weil sie sie angeblich für Wildschweine hielten. Zu einer Verurteilung kam es nicht.

Man sieht also, dass Merle Kröger wohl immer auch schreibt, weil sie etwas “sagen” möchte. Solange das dann auch zu gut geschriebenen und spannenden Büchern führt, gefällt mir das außerordentlich.

Gerne werde ich auch - falls sie mal ein drittes Buch schreiben sollte - auch zu diesem greifen.

Nebenbei erwähnt: für ein schön gebundenes Buch ist der Preis von 15 € wirklich sehr günstig.

Merle Kröger gelingt mit diesem Roman ein rasanter und überzeugender Politthriller, dem ich viele Leser wünsche!

Bestellen können Sie das Buch unter diesem Link in meiner Buchhandlung:

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