Archiv für die 'Krimis' Kategorie

In der Hitze der Nacht

admin 3. Juni, 2014

Heute möchte ich euch gerne einen meiner derzeitigen Lieblingsautoren vorstellen, dessen Bücher ich nacheinander weglese.

Dennis Lehane „In der Nacht“
Übersetzer: Sky Nonhoff
ISBN: 9783257068726
Diogenes Verlag
583 Seiten
22,90 €

Dennis Lehane wurde 1985 in Dorchester, Massachusetts, als Sohn einer einfachen irisch-stämmigen Familie geboren. Nach der Highschool studierte er kurze Zeit auf Lehramt, brach das aber ab und studierte Journalistik. Nach seinem Studium arbeitete er längere Zeit als Berater und Betreuer von geistig behinderten und von sexuell missbrauchten Kindern. In einigen seiner Bücher taucht dieses Thema immer wieder auf. So sehr ihn diese Arbeit auch interessierte, wollte er doch seinen Traum Schriftsteller zu werden wahrmachen und begann Kurse in Creative Writing an der Florida International University zu belegen. 1994 veröffentlichte er seinen ersten Roman.
Lehane ist verheiratet und hat eine Tochter. Er lebt in Boston St. Petersburg, Florida. Neben seiner Tätigkeit als Schriftsteller lehrt er Kreatives Schreiben am dortigen Eckerd College.

Zwei seiner Romane wurden erfolgreich verfilmt: Mystic River (Clint Eastwood) und Shutter Island (von Scorsese mit Leonardo di Caprio).Lehane schrieb auch Drehbücher für „The Wire“, eine wirklich tolle Fernsehserie (die ich gerade auf DVD ansehe) was in meinen Augen nochmal ein zusätzlicher Pluspunkt für ihn ist.

„In der Nacht“ im Original „Live by night“ genannt ist sein neuester Roman.

Dem Autor so erfolgreicher Krimis wie „Mystic River“ gelingt mit seinem eben erschienen Roman „In der Nacht“ das Kunststück, einen nahezu klassisch zu nennenden Hard-boiled-Thriller in der Tradition Hammets und Chandlers zu schreiben, ohne dass es altmodisch oder abgekupfert wirkt.

Die Handlung spielt in der Prohibitionszeit in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts.Joe Coughlin, Sohn eines Bostoner Polizisten, bezeichnet sich selbst lieber als „Gesetzlosen“ denn als Gangster. Dennoch ist er nichts anderes: er raubt Banken aus, hehlt und schmuggelt ein bisschen und führt seine eigene kleine Bande an. Als er sich jedoch in die Geliebte eines Syndikatbosses verliebt, geht alles schief.

Seine Jahre im Gefängnis verändern ihn sehr und als er wieder in Freiheit ist, hat er die besten Kontakte zur Mafia geknüpft und steigt groß in den Handel mit schwarz gebrannten Rum ein. Sein Siegesfeldzug scheint nicht aufzuhalten zu sein, er wird reich, erfolgreich und findet eine neue Frau die er liebt, eine schwarze Kubanerin.Doch das Leben eines „Gesetzlosen“ (manchmal fragt er sich, ob er nicht doch bloß ein mieser Gangster ist) bleibt nicht ohne Gefahren…

Was macht Lehane nun so besonders? – Wahrscheinlich ist das sein Schreibstil!Ironisch, witzig, elegant, verwegen, herzzerreißend, spannend – all das sind Worte die mir spontan in den Sinn kommen, wenn ich an das Buch (das ich bereits vor mehreren Monaten gelesen habe) in den Sinn kommen.

Würde Lehane in Berlin Creative Writing Kurse anbieten, dann wäre ich sicher seine Schülerin! Wer so geschickt Stories komponieren kann und trotzdem die klare Linie nicht vergisst, wer so viel Inhalt mit Spannung verknüpfen kann und dabei – das ist mir immer wichtig - auch so viel Gesellschaftskritik mit einbringt, der kann nur ein Vorbild sein.

Ich habe ja manchmal solche Phasen, in denen mich ein Autor so anspricht, dass ich dann unbedingt mehr von ihm lesen möchte. Oft nehme ich mir nur vor, weitere Bücher von einem guten Schriftsteller zu lesen und dann kommt wieder etwas anderes, vermeintlich wichtigeres dazwischen.

In Lehanes Fall hat meine Begeisterung aber tatsächlich dazu geführt, dass ich mir jetzt nach und nach all seine Romane vornehme – und bisher hat mich kein einziges enttäuscht! Ich werde auch über die anderen Bücher noch berichten.Sicherlich werden das manche als ein „Männer - Buch“ bezeichnen. Man kann es auch unbesehen Männern, die gerne harte Krimis oder Thriller lesen schenken. Frauen sollten sich aber dadurch keinesfalls vom Lesen abhalten lassen.

Beste niveauvolle Unterhaltung – ein Krimi der Spitzenklasse!

Bestellen können Sie das Buch gleich in meiner Buchhandlung Thaer:

Der Machatschek - Leichenschmaus

admin 9. Juli, 2013

Soll man den „Leichenschmaus“ einen Krimi nennen? Oder doch besser in die Ecke „Humor“ schieben? Auch besteht die Möglichkeit, das als Buchbegleitung zur Musik zu bezeichnen. Underground-Literatur? Österreichischer Humor? Oder gar als ein Gesamtkunstwerk?

Egal – alles passt!

Wer Sinn für hintergründigen Humor hat und nicht abgeneigt ist, sich manche österreichischen Vokabeln anzueignen, kann sich köstlich amüsieren bei dieser wahnwitzigen Story.

Der Machatschek, die Hauptfigur des Romans ist eine real existierende Person. Ein Wiener  Maurer, der sich nachdem seine Firma pleite gegangen ist, als Musiker durchschlägt und einerseits der Herausgeber (aber nicht der Autor – gute Frage: wer ist eigentlich der Autor?) dieses Buches ist, andererseits aber auch der Romanheld und dann auch noch der Musiker, dessen Lieder mit eigener Gitarrenbegleitung als Download mit dem Buch zu erwerben sind.

Dieser Machatschek also möchte mit seinem letzten Geld ab nach Rio fliegen, in Wien hinterlässt er nur seinen Hund Jackie (der ihn begeistert und ausdauernd zärtlich in die Wade beißt), seinen Freund Charlie Bronko und eine bankrotte Firma.

Nach der Abschiedsfeier mit seinen alten Kollegen wacht er – der eher bekannt ist für seinen Kräutertee  Konsum – mit einem gewaltigen Kater auf. Doch was kann der Grund dafür sein, dass ihn plötzlich alle für einen Auftragskiller halten? Warum bekommt er einen Auftrag nach dem andern, so viele Menschen, die er „erledigen“ soll? Hätte er mal so viele Aufträge als Maurer bekommen, dann müsste er nicht nach Rio und seine Firma wäre nicht pleite.

Unversehens, ungewollt und unschuldig wie ein Baby gerät der Machatschek mitten hinein in die Unterwelt, trifft die wildesten Typen und entkommt oft nur mit knapper Not dem Tode. Dass er sich in eine seiner Auftragsgeberinnen, die Lisi, verliebt, macht die ganze Sache noch komplizierter. Eigentlich möchte der Machatschek ja doch lieber Mauer bleiben als ein Mörder werden.

Wer wissen möchte, wie bzw. ob er sich da herauswindet, muss das selber lesen.

Ich kann versprechen, dass  das ganz bestimmt kein Schaden ist, sondern im Gegenteil ein großes Vergnügen! Mein Lesefluss wurde immer wieder durch heftige Kicherattacken unterbrochen – und auch die zugehörige Musik weiß zu gefallen.

Bestellen können Sie das gleich hier bei mir:

Düstere Geheimnisse eines Dorfes

admin 3. April, 2013

Elisabeth Herrmann„Das Dorf der Mörder“

ISBN 978-3-442-31325-9

480 SeitenGoldmann Verlag

19,99 € 

Elisabeth Herrmann wurde 1959 in Marburg geboren. Sie lernte Bauzeichnerin und arbeitete als Maurerin und Betonbauerin. Später holte sie auf dem zweiten Bildungsweg ihr Abitur nach und studierte.Heute lebt sie in Berlin mit ihrer Tochter und arbeitet als Journalistin.

Als Schriftstellerin wurde sie besonders mit dem Kriminalroman „Das Kindermädchen“, der verfilmt wurde, bekannt aber auch mit den Nachfolgern „Die letzte Instanz“ und „Die siebte Stunde“ konnte sie gute Erfolge verzeichnen und vor allem mit ihrem letzten – von mir hier bereits besprochenen Roman „Die Zeugin der Toten“ (ebenfalls verfilmt).

Ausgangspunkt dieses spannungsgeladenen psychologischen Krimis ist ein Mord im Berliner Tierpark (für Nichtberliner: das ist der großräumige Tierpark in Ostberlin, nicht der Zoo im Westen), der an Grausamkeit nahezu nicht zu überbieten ist. Zumindest sieht die männliche Leiche extrem übel zugerichtet aus. Das liegt aber nicht etwa daran dass der Mörder viel geschnippelt hätte, sondern dass er den Mann zu einer Herde hungriger Pekaris (Nabelschweine) geworfen hat und diese hatten sich lustvoll am Menschenfleisch gütlich getan. (Warum auch nicht, Menschen tun das ja auch dauernd bei Schweinen, nicht wahr?).

Die junge Polizistin bosnischer Abstammung Sanela Beara, die sich nicht nur mit Witzen über ihren Namen (ach ja, die Margarine) und über ihre Größe (sie ist klein) herumschlagen muss, sondern auch sonst hart um ihre Position zu kämpfen hat, trifft am Tatort auf Charlie Rubin, eine Tierfutterzüchterin, eine zurückgezogene, eher menschenscheue und etwas grobschlächtige Person. Sanela findet aber einen menschlichen Zugang zu der Frau mit dem sonderbaren Beruf und lässt sich erklären, dass eine Tierfutterzüchterin u.a. Mäuse züchtet, die dann an größere Tiere verfüttert werden. Umso erstaunter ist Sanela dann, dass ihre Vorgesetzten Charlie ganz schnell als Hauptverdächtige bezeichnen, sie hat zwar offiziell nichts mehr mit dem Fall zu tun, doch sie recherchiert weiter auf eigene Faust, was sich als nicht ungefährlich herausstellen wird.

Der Psychologe Brock und sein Assistenz Jeremy Saler sind damit beauftragt, die Zurechnungsfähigkeit von Charlie in Gesprächen zu untersuchen.  Es kommt heraus, dass Charlie noch eine Schwester, eine Tierärztin hat, mit der sie aber seit vielen Jahren keinen Kontakt mehr hat; diese Schwester ist auch nicht ganz so leicht in eine bestimmte Kategorie einzuordnen…

Die Spuren führen jedenfalls weg von Berlin in eine kleines Dorf namens Wendisch Bruch in der Nähe von Jüterbog, aus dem die beiden Schwestern stammen. Und jetzt wird es wirklich interessant: dieses Dorf ist nahezu männerfrei, die noch dort lebenden alten Frauen schweigen bis auf die Besitzerin der ehemalige Dorfkneipe. Diese spricht zwar mit Sanela, aber ihre Antworten geben immer nur neue Rätsel auf. Eines ist klar und wird immer klarer: in diesem Dorf gab und gibt es sehr dunkle Geheimnisse!

Ohne zu viel verraten zu wollen, muss ich doch ein paar Stichworte preisgeben, die zumindest die Richtung angeben sollen, in die es geht: Eine Außenseiterfamilie, Gewalt gegen Frauen, tote Babys, zutiefst unglückliche Jugendliche und Männer, denen man lieber nicht begegnen möchte.

Neben der Krimihandlung bzw. der Aufklärung des Mordes im Tierpark faszinieren vor allem die Charaktere des Romans, man möchte wirklich mehr wissen über die Geschichte Charlies und ihrer Schwester Cara, auch die Figur des jungen Jeremy interessiert persönlich – weit über das, was für den Handlungsablauf nötig ist- sehr.

Das Ende ist zwar nicht absolut überraschend, aber in seiner Konsequenz dann doch alles andere als leicht vorhersehbar. Jedenfalls ist es erschütternd.

In ihrer nun schon oft bewiesenen unvergleichlichen Art, den Leser sofort in die Geschichte hineinzuziehen, ihn zu schockieren und dann aber auch mitzunehmen in Details, in die Vorgeschichte, in die Psyche der Protagonisten ist Elisabeth Herrmann tatsächlich eine der absoluten Größen der zeitgenössischen deutschen Kriminalautorinnen.

Wie schon bei „Zeugin der Toten“ empfand ich den Anfang als zu reißerisch brutal, zu blutig, irgendwie zu gewollt sensationslüstern. Dennoch sorgt natürlich gerade das dafür, dass man als Leser „anbeißt“. Es geht ja auch nicht in diesem Stil weiter, sondern im Gegenteil entwickelt die Autorin eine untergründige Spannung, gewährt uns Einblicke in die Psyche von hochinteressanten Menschen, diese Einblicke sind aber nie erschöpfend, immer lässt sie noch viele Fragen offen, so dass man als Leser nicht zu schnell „satt“ ist.

Unglaublich gut lässt sie eine Atmosphäre von Bedrückung, Dumpfheit, Rohheit und Ausweglosigkeit entstehen, die einem den Atem nimmt. Auch sind ihre Cliffhanger sehr geschickt eingestreut, die Spannung jedenfalls lässt einen nicht mehr los bis zum Ende hin.

Das Buch ist leicht zu lesen, klar und verständlich, aber wiederum nicht so simpel, dass es eintönig wäre.

Elisabeth Herrmann hat in meinen Augen ihren guten Namen mit ihrem neuen Roman noch einmal weiter gefestigt. Mir hat zwar die „Zeugin der Toten“ noch eine Spur besser gefallen, aber eben nur eine Spur.

Wieder versteht sie es, einen besonderen Blick auf einen besonderen Teil der deutschen Geschichte zu werfen. Ein Dorf in der ehemaligen DDR, das durch die Wirren des politischen Umbruchs noch mehr ins Abseits geriet als es vorher schon war, wird durch Strukturen, die eigentlich nur noch Arbeitslosigkeit hervorrufen männerfrei. Doch – wie der Roman letztendlich klarmacht – waren es nicht nur die Strukturen, sondern auch noch absolut andere Gründe die zu diesem Dorf der alten Frauen führten.

Die Verquickung von bester Krimispannung, von Zeitgeschichte, dem Aufzeigen von sozialen und gesellschaftlichen Elementen und vor allem von der detaillieren Darstellung der seelischen Abgründe ist großartig!

Ich kann aber nicht verhehlen, dass – gerade weil sie so glaubwürdig schreibt –mich das Buch auch immer wieder richtig traurig gemacht hat. Es sind eben nicht nur Gefühle wie Spannung, Grauen und Mitfiebern die bei einen guten Krimi geweckt werden, sondern auch solche wie Mitleid und Trauer.

Ein rundum empfehlenswerter Kriminalroman!

Hier geht’s zum Bestellen:

“Nur” noch ein Schwedenkrimi? - Nein!

admin 27. September, 2008

Die drei Krimis des leider früh verstorbenen schwedischen Krimiautors Stieg Larsson gehören für mich zu den spannendsten Büchern der letzten Jahre im Krimigenre.

 

Der Autor war ein überzeugter Kämpfer gegen Rechtsradikalismus und Fremdenfeindlichkeit in seinem Land und ein Träger fortschrittlicher Ideen. Leider starb er mit knapp 50 Jahren an einem Herzinfarkt. Seine Bücher, die er - erfolgreich wie er war - sicher weiter geschriebne hätte, sind damit nur auf drei beschränkt. Ich habe alle drei gelesen und war sehr begeistert. Ich werde nun mit dem ersten Band “Verblendung” beginnen.

Inhalt: 

Henrik Vanger, ein älterere Herr, Industriellerist seit fast 40 Jahren unglücklich darüber, dass seine geliebte Nichte als Jugendliche spurlos verschwand. Einmal im Jahr bekommt er eine kleine Erinnerung geschickt. Eine Erinnerung, die ihn quält und ihn nie vergessen lässt.

Mikael Blomqvist, Journalist, muss für drei Monate ins Gefängnis. Er hat den Industriellen Wennerström in Zeitungsartikeln angegriffen, ohne wasserdichte Beweise zu haben. Beruflich steht er damit praktisch vor dem Aus. Seine Kollegin und Geliebte (eine der harmonischen Dreiecksbeziehungen, die es wohl nur in Romanen gibt) Erika Berger versucht ihre gemeinsame kritische Zeitung „Millenium“ vor dem endgültigen Aus zu retten

Lisbeth Salander, eine junge Frau, die noch viel jünger aussieht, arbeitet in  einer privaten Detektei. Sie ist unsozial, unbeliebt (bei fast allen) weil sie nicht „normal“ kommunizieren kann, dafür ist sie aber hoch talentiert und trotz unorthodoxer Arbeitsweise die beste Ermittlerin der Detektei.

In einer Situation, in der Mikael Blomqvist nicht mehr weiter weiß, bekommt er von Henrik Vanger, ein finanziell höchst attraktives Angebot: er soll herausfinden, was damals zum Verschwinden von Harriet Vanger geführt hatte. Ausschlaggebend für Blomqvists Akzeptieren des Vorschlags ist aber nicht nur das Geld, sondern das Versprechen Vangers, ihm Beweise für die kriminellen Aktivitäten Wennerströms zu liefern. So geht er also in die Provinz und widmet sich nahezu aussichtslosen Recherchearbeiten. Durch die ungewöhnliche Figur der Salander gewinnt die Story an Spannung, an Tiefe und an Tempo

Ob Harriet gestorben ist und wenn ja wie und warum, möchte ich offen lassen. Auch wer verantwortlich ist für die vielen Morde an Frauen, die sich in den Jahren vor Harriets Verschwinden ereignet hatten, werde ich nicht verraten. Wie es mit Mikael, Lisbeth, Erika und Henrik weitergeht, ja, auch das muss ich verschweigen (obwohl es mir schwer fällt).

Das Ende des Romans ist  überraschend, auch  befriedigend, aber ein Rest von Verstörung bleibt, denn man möchte einfach noch mehr wissen. Wie gut, dass es einen zweiten Band gibt, der einem zumindest die Illusion gibt, hier vollständige Aufklärung zu finden.

Sehr auffällig ist die Charaktertiefe, die Larsson seinem Personal zugesteht. Für einen Krimiautor ist das unüblich. Er lässt sich wirklich Zeit, die einzelnen Personen – zum Teil auch Menschen, die eher Nebenfiguren sind – vor dem inneren Auge des Lesers richtig lebendig werden zu lassen, sie mit ihren kleinen und großen Macken kennen zu lernen. So gelingt es ihm, sehr großes Interesse an der Psyche der Romanhelden zu wecken.

Eine Fülle verschiedener zum Teil parallel laufender Nebenstränge könnte fast zu einer Überlastung führen, zu einem Nachlassen des Interesses. Doch Larsson versteht es sehr gut, die Spannungselemente immer dann wieder geschickt einzubauen, wenn man gerade dabei ist, etwas langsamer zu lesen.

Es handelt sich sowohl um einen Krimi, den man „klassisch“ nennen könnte, damit meine ich, dass man wirklich wissen möchte: „wer um Himmels Willen war es denn nun?“  und „was geschah denn damals mit Harriet Vanger?“ als auch um einen „modernen“ Krimi, einen der unser Interesse an Psychologie weckt. Mittlerweile ist es schon fast normal, sich in die Psyche der Täter hineinversetzen zu lassen, doch Larsson versetzt uns auch in die Psyche der Opfer und der Ermittler. Das ist ungewöhnlich und unterscheidet ihn von vielen anderen schreibenden Kollegen. 

Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand dieses Buch liest und nicht dem nächsten Band entgegen fiebert.

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Der neue Mankell:Der Weg führt von Schweden nach China - über Afrika

admin 16. Juli, 2008

In einem kleinen Dorf in Schweden werden fast alle Einwohner auf brutale Weise ermordet, die Polizei steht vor einem Rätsel.  Birgitta Roslin, Richterin,  findet heraus dass ihre Mutter aus eben diesem Dorf stammt und ihre Großeltern unter den Ermordeten sind.
Sie stößt - eher zufällig - auf Spuren, die die Polizei noch nicht entdeckt hat. Sie bietet der Polizei ihre Hilfe an, die aber nur halbherzig akzeptiert wird.
Birgitta Roslin forscht weiter, denn die geheimnisvollen Morde lassen ihr keine Ruhe. Die Spuren führen nach China, deshalb begleitet sie eine alte Freundin, die dort einen Vortrag halten muss.

Sie lernt bei dieser Reise verschiedene Menschen kennen, von denen sie nicht recht weiß, ob sie ihnen vertrauen kann oder ob sie eine Gefahr für sie darstellen. Als sie sogar bedroht und überfallen wird, spitzt sich die Situation zu und sie muss in Polizeigewahrsam noch länger in China bleiben. Muss sie nun Angst haben? Wird sie von der Polizei  beschützt oder soll sie ruhig gestellt werden?

Durch alte Tagebuchaufzeichnungen erfährt Birgitta liest von einem ihrer Vorfahren, der als Einwanderer in den USA als Vorarbeiter beim Bau einer wichtigen Eisenbahnlinie tätig war. Unter seiner Obhut waren auch chinesische Arbeiter. Birgitta istvöllig entsetzt über die Brutalität und den Rassismus, der aus den Worten ihres Ahnen spricht.

Doch ein weiteres Tagebuch spielt eine Rolle: das eines Chinesen, der ebenfalls  im 19. Jahrhundert beim Bau der Zuglinie gearbeitet hatte. Dieses Tagebuch berichtet in erschütternder Weise von einer tragischen Odyssee, von einem Leben zwischen Leibeigenschaft, Betrug, Tod der nächsten Verwandten und moderner Sklaverei.

Einer - ein ganz spezieller Leser dieser Aufzeichnungen schwört Rache für die damaligen Ereignisse.

Kann es sein, dass die Morde in einem schwedischen Dorf des 21. Jahrhunderts  tatsächlich mit einer Geschichte aus dem 19. Jahrhundert am anderen Ende der Welt zusammen?
Wenn das so ist - dann ist  auch Birgitta Roslin gefährdet…

Ich mochte das Buch, ich fand es spannend -höchstens beim Stil (recht einfach, häufige Wiederholungen) gibt es  ein wenig zu meckern: Doch trägt die interessante Themenwahl dazu bei, dass ich es sehr schnell und letzendlich auch befriedigt gelesen habe.

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