Archiv für die 'Kinderbücher' Kategorie

Start einer tollen neuen Kinderkrimi Reihe

admin 7. April, 2016

Kirsten Boie, Thabo: Detektiv & Gentleman - Der Nashorn-Fall
Illustrationen von Maja Bohn
304 Seiten
Oetinger Verlag
ISBN 978-3-7891-2033-6
12,99 €Auszeichnungen (obwohl das Buch erst vor wenigen Wochen erschienen ist):
Leipziger Lesekompass
Natur-Buchtipp (Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendliteratur)

Wer sich auch nur ein ganz klein wenig mit Kinderbüchern auskennt, dem muss man den Namen Kirsten Boie eigentlich nicht mehr erklären. Aber für all die anderen in Kürze:Sie wurde 1950 in Hamburg geboren und studierte dort Germanistik und Anglistik. Zwei Semester lang besuchte sie die Universität Southampton/Großbritannien. Nach ihrem Studium arbeitete sie als Lehrerin an Gymnasien und Gesamtschulen. Weil sie und ihr Mann ein Kind adoptieren wollten, musste sie aus dem Beruf ausscheiden. Das war nicht etwa im 19. Jahrhundert, sondern 1983, als die Behörden so etwas verlangten. Immerhin fand Kirsten Boie durch diese erzwungene Untätigkeit die Zeit, ihr erstes Buch „Paule ist ein Glücksgriff“, das gleich ein Riesenerfolg wurde.

Mittlerweile sind über hundert Bücher von ihr veröffentlicht und auch oft in andere Sprachen übersetzt worden.2007 wurde die Autorin für ihr Gesamtwerk mit dem Sonderpreis des Deutschen Jugendliteraturpreises ausgezeichnet.

2015 gründet Kirsten Boie die Möwenweg-Stiftung, um Kindern in Swasiland zu helfen

Kirsten Boie startet mit „Thabo Detektiv & Gentleman“ eine neue Reihe. Im ersten jetzt vorliegenden Band „Der Nashorn-Fall“ startet sie mit einem überzeugenden (wie sollte das bei dieser grandiosen Autorin auch anders sein?) und spannenden Fall.Thabo ist ein gewiefter afrikanischer Junge, der bei seinem Onkel Vusi, einem Wildhüter des nahe gelegenen Safariparks, lebt. Er ist ebenso wie sein bester Freund Sifiso Waise – und beide streben eine Karriere als Privatdetektiv an. Beeinflusst von diesem Berufswunsch ist Thabo besonders von Miss Agatha, einer alten britischen Nachbarin, mit der zusammen er vorwiegend alte Agatha Christie Filme ansieht. Auch sein Ziel, einmal ein Gentleman zu werden, rührt wohl von diesen Filmen her. Thabo ist mit Miss Agathas Nichte Emma befreundet. Doch seit sie nur noch in den Schulferien nach Afrika kommt, scheint sich das Verhältnis etwas geändert zu haben.

Als eines Tages ein getötetes Nashorn gefunden wird, dem das Horn von Wilderern abgeschnitten wurde, wird aus den Gedankenspielereien Ernst: Thabo, sein Freund Sifiso und auch Emma beschließen, den Nashornmörder aufzuspüren. Gerade als sie mit den Ermittlungen anfangen, wird Onkel Vusi als Verdächtiger festgenommen. Wenn die Polizei so töricht ist, den harmlosen, aber nicht allzu intelligenten Wildhüter einzusperren, dann müssen unbedingt die Kinder ran, um den wahren Täter zu fangen.

Auffallend an diesem Kinderroman ist der hintergründige Humor, den man gerade bei Kinderbüchern so selten findet. Thabo wird mit einer einerseits reizenden Naivität, andererseits mit einer hohen natürlichen Intelligenz gezeichnet. Seine Art , die Welt zu betrachten, ist erstaunlich: ein guter Beobachter, ein noch besserer Menschenkenner, aber jemand, der das Leben auch so wie es ist akzeptiert. Allerdings nur so weit, wie er es nicht verändern kann!
Sehr witzig sind die Dialoge mit Miss Agatha, die den kleinen Thabo mit ihrer Miss Marple – Sucht angesteckt hat und in ihm den Wunsch weckte, sowohl Gentleman (die sind elegant gekleidet, höflich und haben viel Geld) sowie Detektiv (die haben meist nicht so viel Geld, aber ein spannendes Leben) zu werden.

Mit viel Spannung und Humor gelingt es Kirsten Boie einen kurzweiligen Kinderkrimi, der auf Fortsetzungen Lust macht, zu schreiben. Sehr schön auch, wie sie en passant über das Leben in einem afrikanischen Dorf – ohne die Probleme der Armut auszusparen – unaufdringlich informiert.Ich schätze Boies Gabe, Kindern Wissen zu vermitteln, sehr. Egal ob sie uns etwas über die Ritterzeit erzählt, über Gespenster, über Obdachlose oder wie hier über das Leben von Kindern in einem ländlichen afrikanischen Land (wahrscheinlich Swasiland, das in der Nähe von Südafrika sowie Mozambique liegt, aber das nehme ich nur an), immer hat sie auch ein soziales Anliegen.

Andere Autoren und Autorinnen haben auch oft ein soziales oder humanes Anliegen, aber sie schreiben das oft mit einer derartig offensichtlichen Holzhammermethode dass man als Leser (zumindest als erwachsener Leser, aber ich denke auch Kinder haben ein gutes Gespür für so etwas) die Absicht merkt und verstimmt ist. Doch Kirsten Boie schafft es wirklich, unterhaltsam zu bleiben, spannend, anrührend und ihre Wahrheiten wie nebenbei zu transportieren.
Das finde ich wirklich großartig!Für mich ist sie wirklich eine der ganz ganz großen Kinder- und Jugendbuchautorinnen.

Ein überaus gelungener Start einer tollen Kinderkrimi - Reihe, dem ich viele junge Leser und Leserinnen wünsche!

Gerne können Sie das Buch in meiner Buchhandlung bestellen:

Waschbären (Ausländer) raus aus unserem schönen Wald (Land)!

admin 12. April, 2015

Stefanie Taschinski
Funklerwald

Illustrationen: Verena Körting
ISBN 9783789148071
253 Seiten
Altersempfehlung: ab 8 Jahre
Oetinger Verlag
14,99 €

Stefanie Taschinski wurde 1969 am Stadtrand von Hamburg geboren. Ihr Vater war Feuerwehrmann und ihre Mutterversorgte die 5-köpfige Familie. Stefanie war die erste in der Familie, die studierte: Geschichte, Soziologie und Drehbuch. Sie ist verheiratet, hat zwei Kinder und einen Hund und lebt immer noch in Hamburg. Nach mehreren Kinderbüchern, Theaterstücken und Drehbüchern wurde sie recht erfolgreich mit den Büchern rund um die „Die kleine Dame“ (wird verfilmt) „Funklerwald“ ist ihr erstes Buch im Oetinger-Verlag erschienenes Buch.

Verena Körting, geboren und aufgewachsen in Köln, studierte Kommunikationsdesign an der Fachhochschule Düsseldorf. Seit ihrem Diplom lebt und arbeitet sie als Grafikdesignerin und Illustratorin in Hamburg.

Klappentext:

“Das Luchsmädchen Lumi lebt schon immer im Funklerwald und kennt jeden Baum und jedes Tier rund um ihren Bau. Der Waschbärenjunge Rus kommt ganz neu in den Wald und sucht dort mit seiner Familie eine Heimat. Als Lumi in eine Felsspalte fällt, hilft Rus ihr aus der Patsche. Aber die anderen Funklerwald-Tiere mögen keine Neulinge. Und sie beschließen: Die Waschbären sollen verschwinden! Lumi und Rus müssen ganz schnell einen Weg finden, damit die Waschbären bleiben dürfen. Und dieser Weg führt sie in die gefährlichsten Regionen des Waldes, zu der weisen Fledermaus Maushardt und dem geheimen Wandelbaum …Ein zeitgemäßes Gegenstück zu „Der Wind in den Weiden“ und anderen Klassikern.”

Oft sind Klappentexte ja nicht sehr aussagekräftig, doch diesmal trifft er wirklich gut zu!
Lumis Mutter Flocke ist früh gestorben, das Luchsmädchen kann sich gar nicht richtig an sie erinnern. Doch sie freut sich, als ihre Tante Kette, bei der sie lebt ihr erzählt, dass auch Flocke so neugierig, und auch manchmal zu verträumt gewesen sei wie Lumi selbst das ist. Auch wenn Lumi noch keine großartige Jägerin ist, so lebt sie ihr Leben im Funklerwald doch glücklich und zufrieden. Am liebsten spielt sie mit Borste, dem Frischling und Rissa, der jungen Füchsin.Eines Tages trifft sie auf ein ihr absolut unbekanntes Tier mit einer sonderbar aussehenden Maske auf dem Gesicht. Ob das wohl ein „Kratzer“ ist, vor dem sie gewarnt wurde? Die Kratzer sind neu im Wald und sie seien sehr gefährlich, wurde ihr erzählt. Doch dieser kleine Kratzer ist hängen geblieben, er kann sich nicht befreien und ruft um Hilfe.

Lumi hört auf ihr Gefühl und hilft dem Kratzer, sich zu befreien, doch als dieser sich mit ihr anfreunden will, läuft sie schnell davon.So gerne möchte sie ihren Freunden von dieser Begegnung erzählen, doch als sie zurückkommt, ist der ganze Wald in Aufruhr: die Kratzer gehören nicht in den Wald, sie sind Fremde, sie wollen den anderen Tieren alles wegessen und sie sind hochgefährlich, so sprechen die anderen Tiere. Ein Rat wird einberufen und – auch wenn es einige Stimmen gibt, die meinen man solle doch erst mal sehen, ob die Kratzer wirklich so schlimm seien und ihnen eine Chance geben – beschließt die Mehrheit, die Kratzer zu vertreiben.

Als Lumi sich eines Tages zu weit – verbotenerweise! – von den bekannten Wegen entfernt, fällt sie in eine Höhle und kann nicht mehr raus. Der kleine Kratzer befreit sie, er stellt sich als Rus vor und er sagt, er sei ein Waschbär.Lumi und Rus befreunden sich, müssen aber ihre Freundschaft geheim halten. Rus erzählt ihr, dass der Wald in dem seine Familie vorher gewohnt hatte durch einen fürchterlichen Sturm verwüstet wurde und sie fliehen mussten. Sein Vater ist verletzt und liegt fiebernd in einer Dachshöhle und seine Mutter sei hochschwanger. Lumi hat Mitleid und hilft Rus und seiner Familie, Fressen zu bekommen und so zu überleben.
Doch andere Tiere – leider auch Lumis Freundin Rissa, die kleine Füchsin, hetzen gegen die Kratzer, stellen ihnen Fallen und bringen die Tiergemeinschaft dazu, die Familie aus dem Wald zu jagen.

Ein ernsthaftes Gespräch mit Kette, ihrer Tante, bringt Lumi dazu, sich gemeinsam mit Rus auf den Weg zu machen, um den Wunderbaum zu finden. Einer Legende nach kann jedes Tier sein Zeichen in diesen Baum einritzen, dann wachsen neue Zweige daran und die Tiere gehören ab jetzt zum Funklerwald. Auch wenn Kette das für ein Märchen hält, so weiß Lumi doch, dass ihre Mutter daran geglaubt hat – immerhin wäre das eine klitzekleine Chance für Rus‘ Familie hierbleiben zu dürfen, ohne sich weiter verstecken zu müssen.Auf dem abenteuerlichen Weg durch den Funklerwald begegnen den beiden Freunden nicht nur gefährliche Tiere wie die Wölfe, sondern auch freundliche: Mica, die kleine Eule hilft ihnen den Weg zum Wunderbaum zu finden, doch da wartet nach den vielen Gefahren und Abenteuern noch ein weiteres Hindernis: eine Schlange, die sich als Hüterin des Baumes ausgibt und den Freunden drei Rätselfragen stellt…

Ob es wohl gelingen wird, den Waschbären einen Platz im Funklerwald einzuräumen?

Der schönste Wunderbaum nützt nichts, wenn Borniertheit, Hetze und Angst vor Fremden zusammen kommen und jeden, der anders ist und nicht schon immer da war vertreiben wollen.

Lumi vertraut auf ihren gesunden Luchsverstand und auf ihr Herz! Sie wird mutig und setzt sich für diese Vertriebenen ein. Es gelingt ihr letztendlich auch, einige (nie alle!) zu überzeugen und – es handelt sich ja auch um ein Kinderbuch! – die Geschichte endet gut.Ich bin sehr angetan von diesem Kinderroman, denn er schafft es, auf sehr einfache Weise, ganz große Probleme unserer Gesellschaft auf einer Ebene, die Kinder gut verstehen können, anzusprechen. Verpackt in eine spannende Geschichte, die mit fiebern lässt, werden en passant grundlegende Werte vermittelt: Dass man erst einmal zuhören soll und sich ein Bild machen, bevor man vorschnell Urteile fällt über andere beispielsweise. Dass Freundschaft wirklich und wahrhaftig ein ganz hohes Gut ist! Dass Mitleid mit Armen, Kranken und Flüchtlingen besser ist als Abschottung gegen alles, was irgendwie „anders“ ist.

Sicher besteht bei solchen Büchern immer die Gefahr, dass diese Werte mit der Holzhammermethode vermittelt werden, dass vor lauter guter Absicht die Geschichte hinten rüber fällt und die Spannung verloren geht. Doch Stefanie Taschinski versteht es wirklich sehr gut, glaubhaft und auch abenteuerlich genug zu schreiben, so dass ich mir sehr gut vorstellen kann, dass Kinder gerne „bei der Stange“ bleiben und diese Geschichte lieben werden.Die wunderschönen Illustrationen (leider nur auf dem Cover in Farbe) tragen dazu bei, den Wert des Buches zu steigern. Besonders gut gefällt mir die gezeichnete Karte des Funklerwalds, aber auch die Zeichnungen der jungen Waldbewohner sind sehr gelungen.

Wer seinen Kindern nicht nur Spannung und Abenteuer und schöne Leseerlebnisse verschaffen möchte, sondern ihnen auch vermitteln möchte, dass Offenheit, Mitgefühl und Solidarität im Leben wichtig sind, sollte unbedingt dieses Buch kaufen!

Ich würde mich freuen, wenn Sie das Buch bei mir in der Buchhandlung bestellen: 

Per Anhalter durch - nein nicht durch die Galaxis - sondern durch den Strudelschlund

admin 27. Januar, 2015

Anna Ruhe
„Seeland – Per Anhalter zum Strudelschlund“
Illustrator: Max Meinzold
Arena Verlag
ISBN9783401600437
258 Seiten
12,99 €

Autorin:

Anna Ruhe, 1977 in Berlin geboren, studierte Grafikdesign, arbeitete als Fotoassistentin, hat eine Softwarefirma mitbegründet und arbeitet als Designerin. Sie ist verheiratet, hat zwei Kinder und lebt – nach einer gewissen Zeit in England – wieder in Berlin.

Max ist unglücklich seit seine Mutter mit ihm aus London weggezogen ist. Nun langweilt er sich in einem kleinen Nest namens Bittie Cross fast zu Tode. Er beschießt wegzulaufen, trifft dabei auf Emma, ein vorlautes freches Mädchen und ahnt noch nicht, dass sie seine Gefährtin auf unzähligen Abenteuern werden wird – auch dass er sich nach der Langeweile des Dorflebens zurücksehnen wird, kann er sich zu dem Zeitpunkt absolut nicht vorstellen.Doch dann geraten sie durch einen Unfall – ein Sturz in einen Brunnen – in eine andere Welt: nach Seeland!

Dort ist alles anders, die Menschen ernähren sich vorwiegend von Algen und Pilzen, ihre Lampen (Lumiroks genannt) sind selbstleuchtende Steine, die Kleidung ist – aus praktischen Gründen – Taucheranzügen sehr ähnlich, und sie leben in sonderbaren Häusern. In großer Detailverliebtheit schildert die Autorin noch unzähliges Sonderbares mehr, sehr beeindruckend fand ich etwa die Straßenkarten aus Elastopri, einer Substanz, die zupf- und dehnbar und natürlich wasserfest ist.Leider ist neben all dieser interessanten Dinge auch noch etwas anderes bemerkenswert: alle Menschen haben Angst! Vor einem dichten Nebel, vor kleinen Vögeln, Späher genannt und vor „der Schaar“, die diktatorisch über Seeland herrscht.

Max und Emma geraten an Ziggy, einen netten Mann, der ihnen Geld (das natürlich auch anders genannt wird) schenkt und ein paar gute Tipps gibt. Max ist auf der Suche nach seinem Vater, den er nie kennen gelernt hat und über den es einige Hinweise gibt, dass er sich in Seeland befindet.Während ihrer abenteuerlichen Reise stoßen sie auf Ari, einen jungen Seeländer, der ebenso wie sie selbst, etwa 13 Jahre alt ist. Ari hat seine ganze Familie verloren durch die Schaar, die alle, die den Mund zu weit auf machen, bedrohen bzw. manchmal auch verschwinden lassen.

In einem von Ari mehr oder weniger selbst gebastelten Kustoh (einer Art U-Boot) begeben sie sich nach Lolland, wo eine Meerjungfrau die Leiterin der großen Bibliothek, ihnen eventuell weiterhelfen kann. Doch was die drei dort erfahren, taugt nicht gerade dazu, ihnen große Hoffnungen zu machen.Es gibt in den sogenannten „Untertiefen“ eine Art Riesengefängnis, in dem die Verschwundenen, soweit sie überhaupt noch am Leben sind, gefangen gehalten werden. Doch man kommt nicht dorthin, keiner weiß genau, wo der Eingang ist – und außerdem wird er strengstens bewacht.

Die jugendlichen Helden werden gefährlichen Piraten, sich freundlich gebenden Verrätern, tatsächlich sehr freundlichen Riesenquallen, hochintelligenten Meerjungfrauen und nicht zuletzt, einem dandyhaften Neptun begegnen, bevor sie ins „Herz der Finsternis“ vordringen werden.Ich darf verraten, dass sie dort tatsächlich Maxens Vater, einen entführten Wissenschaftler, finden werden und auch Aris Familie lebt noch, so dass es zu zwei glücklichen Familienzusammenführungen kommt. Mit Hilfe seines Vaters gelangen die Kinder gemeinsam mit ihm selbst wieder an die Erdoberfläche, nach Bittie Cross, das nun gar nicht mehr so langweilig erscheint.

Sicher ist die Idee einer anderen Welt, die man entweder durch einen Schrank, ein Kaninchenloch, einen Spiegel oder - wie hier - durch einen Brunnen betritt, nicht gerade neu oder originell.Doch – wie immer in der Literatur – kommt es auf die Ausführung an!
Anna Ruhe gelingt es ganz ausgezeichnet, mit vielen frischen und originellen Ideen ein spannendes Kinderbuchdebüt vorzulegen.

Ich konnte mich sehr amüsieren über die Echobells, die eine Art Mischung aus einem Telefon und großen Muscheln sind, über Süßigkeiten die so fremdartig klingen, dass ich sie gerne probieren möchte oder über die freundliche Riesenqualle Monique, die die Kinder auf dem Weg in die Untertiefen begleitete.So sehr die Autorin auch auf die Schilderung dieser fremden Parallelwelt eingeht, so verliert sie doch nie den roten Faden. Die Suche nach dem Vater bzw. der Familie Aris wird sehr spannend gestaltet, doch auch die Interaktion der drei Kinder untereinander gefällt mir. Emma, das einzige Mädchen, behauptet sich mit ihrer forschen Art und durch ihren großen Mut hervorragend neben den beiden Jungs.

Ich kann ja reine Mädchen oder Jungsbücher nicht besonders leiden, insofern freue ich mich dass man dieses Buch besten Gewissens Kindern beiderlei Geschlechts ans Herz legen kann.Was mir auch gefällt ist das Ende: es ist eine in sich abgeschlossene Geschichte, die einerseits absolut befriedigt, die aber dennoch eine mögliche Weiterführung offenlässt. Sehr gelungen!

Ein gut geschriebenes, spannendes Debüt mit vielen originellen Einfällen - man wünscht sich mehr von der Autorin!

Gerne können Sie das Buch bei mir in der Buchhandlung bestellen:

Wenn die Stechmücken uns zu sehr lieben

admin 2. November, 2014

Ich bin diesmal mit voller Übereinstimmung der Jury des Deutschen Jugendbuchpreises 2014, zumindest was die Kategorie Sachbuch betrifft und freue mich, dass dieses wunderschöne Bilderbuch für Kinder ab 6 Jahren prämiert wurde.

Heidi Trpak (Text) und Laura Momo Aufderhaar (Illustration)
„Gerda Gelse -Allgemeine Weisheiten über Stechmücken
Tyrolia Verlag

14,90 €

Auf 24 Seiten erfährt man unheimlich viel über dieses weitverbreitete „Haustier“. Gerda Gelse, eine Stechmücke, erzählt aus ihrem Leben und freut sich über die besondere „Liebe“ zwischen den Menschen und den Mücken. So tut sie beispielsweise kund: „Ihr Menschen und wir sind ein super Team. Ich liebe euch alle!“ Dass die zerstochenen Menschen das  ein wenig anders sehen, nun ja… Jedenfalls gewinnt man die mit zartem Strich sehr schön gemalten Stechmücken zwar nicht unbedingt deshalb gleich lieb, aber mit ein wenig mehr Verständnis für diese Spezies geht man nach der Lektüre ganz sicher hervor.

Ein ungewöhnliches Sachbilderbuch, an dem sich er auch Erwachsene beim gemeinsamen Ansehen und Vorlesen ihre Freude haben dürften.

Bestellen können Sie dieses ungewöhnlich illustrierte Buch gerne bei mir in der Buchhandlung, ich freue mich sehr über Bestellungen!

Vom richtigen Umgang mit bärbeißigen Grantlern

admin 6. Dezember, 2013

Gerade in der Vorweihnachtszeit werde ich verstärkt auch nach schönen Kinderbüchern gefragt.
Die Auswahl ist auch gar nicht klein, denn neue Kinderbücher gibt es wie Sand am Meer. Viel Allerweltseinerlei ist dabei, einiges kitschige und auch manches doofe, aber eben auch sehr viele empfehlenserte Bücher.
Eines, das mir ganz besonders gut gefallen hat, möchte ich heute vorstellen.

Annette Pehnt/Jutta Bauer „Der Bärbeiß“
ISBN 9783446243071
87 Seiten
Hanser Verlag
10 €
Alter: 6 – 10 Jahre
Der Bärbeiß, ein sehr grimmig dreinblickendes Wesen hat dauernd schlechte Laune. Nichts und niemand kann ihm etwas recht machen: mal ist es zu heiß, mal zu kalt, mal zu laut, mal zu leise. Eigentlich sollte man annehmen, dass so jemand wie der Bärbeiß in seiner Nachbarschaft ganz schnell absolut unbeliebt ist, und keiner mehr etwas mit ihm zu tun haben will. Doch in dieser Nachbarschaft läuft’s ein wenig anders!

Die Nachbarn, als da wären eine große und zahlreiche Hasenfamilie, die Graureiher, der Königspinguin und vor allem das Tingeli, lassen sich nicht abschrecken, sondern probieren immer wieder, den Bärbeiß mal einzuladen, zum Kuchenessen beispielsweise.Doch der fühlt sich gestört und will nicht. Da ist er aber gerade beim sehr hartnäckigen Tingeli an die Falsche geraten! Das Tingeli beschließt, dass der Bärbeiß einfach üben muss wie das so geht mit Besuchen in der Nachbarschaft.

In vielen kurzen Kapiteln werden kleine Abenteuer erzählt. Iglus werden gebaut, Swimmingpools in Gärten gegraben, viel gespielt, gelärmt, getanzt und gelacht. Auch ein Menschenmädchen spielt eine Rolle.Wie alle zusammen es dann langsam schaffen durch ihre entwaffnende Freundlichkeit, ihre gute Laune und den absoluten Willen, niemanden außen vor zu lassen, den Bärbeiß weniger grantig und bärbeißiger zu machen, das wird ganz und gar herrlich beschrieben und gezeichnet.

Annette Pehnts Geschichte ist voller Fantasie und ungewöhnlichen Wendungen, voll innerer Wärme und Freundlichkeit. Mich hat dieses Kinderbuch absolut begeistert. Der Text und die Bilder passen ganz wunderbar zusammen und die Geschichte ist so herzerwärmend, dass ich das immer wieder anschauen und lesen könnte.Mich hat diese Idee so fasziniert, dass man eben auch ganz anders mit grimmigen unfreundlichen Menschen (oder Wesen) umgegehen kann als man das normalerweise tut. Wenn ich mir vorstelle, dass man mit so einem Bärbeiß zu tun hat, dann wäre man doch spätestens beim 3. Versuch freundlich zu sein, derart genervt dass man ihn einfach nur noch ablehnt. Ihn für blöd hält, für einen verbiesterten Grantler, den man am liebsten von hinten sieht. Das wäre eine normale Reaktion. Dass man aber eben auch mit Freundlichkeit und mit Geduld und einer gehörigen Portion Hartnäckigkeit und Lebensfreude auch mal härtere Nüsse knacken kann, das lehrt dieses Buch auf eine einzigartige Weise.

Dass das letztendlich nicht nur dem Bärbeiß nutzt, sondern der ganzen Gruppe, auch dieser Gedanke gefiel mir gut.
Und das Schönste: das kommt trotz der innewohnenden Moral überhaupt nicht mit dem erhobenen Zeigefinger daher, sondern nett und leichtfüßig und durch die schönen Zeichnungen auch wirklich herzallerliebst!Der Verlag gibt als Zielalter 8 – 10 Jahre an, ich selbst würde es zum Vorlesen auf jeden Fall schon für kleinere Kinder (ab 6 Jahren etwa) wärmstens empfehlen.

Eines der schönsten Kinderbücher dieses Jahres!

Bestellen können Sie das Buch gerne gleich hier:

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