Archiv für die 'Kinderbücher' Kategorie

Zeitreise ins Osmanische Reich

admin 8. March, 2011

Ute Krause „Osman – Der Dschinn in geheimer Mission“
Oetinger Verlag
ISBN 978-3-7891-4048-8
288 Seiten
13,95 €

Ute Krause, gebürtige Berlinerin (Jahrgang 1960) und immer noch – bzw. wieder - in Berlin wohnend, ist eine bekannte Buchillustratorin. Sie lebte schon in vielen Ländern, so in Indien, Nigeria, den Vereinigten Staaten und auch in der Türkei.
Nach einem Studium im Film- und Fernsehbereich in München war sie auch in diesem Berufsfeld tätig, sie drehte Werbespots, aber auch Dokumentar- und Kurzfilme, sie schrieb Drehbücher und zeichnete Cartoons. Mittlerweile hat sie an ca. 60 Kinderbüchern mitgewirkt, oft als Illustratorin (so z.B. in dem von mir hier schon besprochenen Band „Rita, das Raubschaf“) aber auch als Auorin.
Sie wurde auch schon für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert und auch von der Stiftung Deutsche Buchkunst. Ihre Bücher  wurden in viele Sprachen übersetzt.

Nach der ersten Geschichte um den Flaschengeist Osman „Osman – Der Dschinn in der Klemme“ geht es weiter mit den Geschichten um Fanni, Anton und Osman.Es sei vorausgeschickt, dass man den ersten Band nicht unbedingt kennen muss, obwohl das sicher auch kein Schaden ist. Ich habe jedenfalls sehr gut ohne den Vorgänger gelesen zu haben, in die Geschichte hineingefunden und ich bin ziemlich sicher, dass das auch Kindern gut gelingen wird.

Man erfährt, dass die Geschwister Fanni und Anton wohl schon einmal ein heikles turbulentes und nicht ganz ungefährliches Abenteuer mit Osman, dem Dschinn aus der Sultanszeit des Osmanischen Reichs erlebt haben, glücklich wieder in die Gegenwart zurück gekehrt sind und ihren Eltern versprochen haben, sich nie wieder auf so etwas einzulassen.Doch als Anton von dem gerade verstorbenen Antiquitätenhändler Friedrich ein verschnürtes Paket erbt, wird er geradewegs in ein neues Abenteuer verwickelt. In dem Paket befindet sich nämlich nichts anderes als eine Flasche samt dem zugehörigen Flaschengeist.
Dieser ist ein dicker, etwas chaotischer und eigentlich recht freundlicher (aber beileibe nicht immer!) Dschinn, der dem Schlafen und Essen sehr zugetan ist und seit über 300 Jahren in der Flasche zubringen musste.

Leider zerbricht die Glasflasche aus Versehen und da man einen leibhaftigen Dschinn nicht einfach in eine neue Glasflasche sperren kann, bleibt den Kindern nichts anderes übrig, als wieder in der Zeit zurück zu reisen um einen ganz bestimmten Glasbläser aus Stambul (so hieß Istanbul früher) zu finden, der genau das richtige Glas für einen Flaschengeist herstellen kann.
Eigentlich klar, dass es mit der Herstellung einer neuen Flasche nicht getan ist. Um einem alten Freund (den Fanni sehr und ganz besonders zugetan ist!) zu helfen, lassen sich die beiden als Sklaven verkleidet in den Sultanshof einschleußen. Dort erleben sie in den Haremsgemächern die wildesten Intrigen und erkennen bald, dass der Kampf um die Nachfolge des kranken Sultans mit äußerst unlauteren Mitteln geführt wird. Jede der Haremsfrauen möchte ihren eigenen Sohn als nächsten Sultan auf dem Thron sehen, also trickst man „ein wenig“ herum, um die Konkurrenten auszuschalten.
Dass es dem jungen – übrigens sehr arroganten und auf den ersten Blick gar nicht sympathischen – Prinzen Achmed gesundheitlich gar nicht gut geht, merken die Geschwister bald; auch entsteht langsam der Verdacht, dass sein Zustand eventuell mit Nahrungsmitteln, die ihm von den netten Tanten geschenkt werden, zusammen hängen könnte. Allein: wer von den Ehefrauen des noch lebenden Sultans verantwortlich ist – diese Frage ist nicht so leicht zu klären.Mit Hilfe von Osman, der sich unerkannt bei den Frauen umhören kann und natürlich mit Hilfe der eigenen Intelligenz versuchen Fanni und Anton, das Komplott aufzudecken. Doch leider ist der schludrige und – immer zur falschen Zeit – schläfrige Osman nicht in jedem Fall eine Hilfe, manchmal ist er eher das Gegenteil. So geraten die Kinder in einige Gefahrensituationen, bis letztendlich nach einigen spannenden Abenteuern, aber auch Herzensproblemen, der „Fall“ zu geklärt wird.

Das Ende ist so konzipiert, dass weitere Abenteuer durchaus vorstellbar (und wünschenswert) sind.

Ich kannte Ute Krause bisher nur durch zahlreiche sehr schöne, sehr gelungene Bilder- und Kinderbuchillustrationen. So war ich natürlich gespannt darauf, ob sie sich auch als Schriftstellerin bewährt.

Ein richtig schönes Kinderbuch!Frau Krause schreibt in einem sehr lockeren und immer wieder witzigen Stil. Das Buch liest sich abwechslungsreich und lebhaft und streckenweise wirklich spannend. Was mir sehr gut gefällt ist, dass sie nicht zu einfach schreibt, sondern den Kindern durchaus Verständnis für Sprache abverlangt.Ich will damit auf keinen Fall sagen, das Buch sei schwierig geschrieben, nein im Gegenteil: die Sätze sind nicht zu lang, nicht zu kompliziert, wörtliche Rede wechselt immer wieder ab mit der Erzählhaltung des „allwissenden“ Erzählers. Also ist der Stil unterhaltsam und lebendig. Aber sie scheut eben nicht davor zurück, auch mal schwierigere Wörter zu benutzen (die aber erklärt werden) und Sachverhalte nicht unnötig zu vereinfachen.
Gerade auch die lustigen Stellen fordern von den Kindern eine gewisse Intelligenz; mir gefällt es immer, wenn man kindliche Leser auch als denkende Menschen ernst nimmt (das tun ja leider nicht alle Kinderbuchautoren).

Eigentlich hatte ich mir, da Frau Krause ja so schön malen und zeichnen kann, ein wenig mehr Bilder erhofft. Doch wahrscheinlich wäre das Buch dadurch erstens sehr viel teurer geworden und zweitens hätte es wohl dann doch eher so ausgesehen, als richte es sich an kleine Kinder.
Meine Enttäuschung hält sich aber in Grenzen, denn ich werde sehr gut getröstet durch die außerordentlich schön gestalteten und geschmackvollen Vignetten an den Kapitelanfängen und durch kleine Zeichnungen am Ende der Kapitel. Und dann gibt es ja noch das lustige Titelbild!

Mal ganz davon abgesehen, dass es sicherlich nicht schadet, deutschen Kindern ein wenig türkisch – osmanische Geschichte nahe zu bringen und ihnen somit zu zeigen, dass es auch in anderen Teilen der Welt Kultur gab und gibt, gefällt mir auch die Heiterkeit des Buches sehr gut.
Das ist ein Kinderbuch, das einfach Spaß macht!
Der Verlag gibt als Altersempfehlung ca. 10 – 12 Jahre an, das ist sicher richtig so, doch ich denke, dass sich das auch sehr gut zum Vorlesen für kleinere Kinder (ab 8 Jahren etwa) eignet.
An meinem Beispiel kann man sehen, dass es aber auch sehr viel älteren Menschen noch Vergnügen bereitet. Sie können das Buch gerne gleich hier bei mir bestellen:

http://thaer.shop-asp.de/shop/action/productDetails/11251058/ute_krause_osman_der_dschinn_in_geheimer_mission_3789140481.html?aUrl=90007281

Krieg in Deutschland -und wir suchen Asyl?

admin 5. March, 2011

Janne Teller Krieg -

Stell dir vor, er wäre hier

Übersetzerin aus dem Dänischen:  Sigrid EngelerIllustrationen: Helle Vibeke Jensen Hanser Verlag
gebunden, 64 Seiten
ISBN 978-3-446-23689-9

6.90 €

 

Der Ich-Erzähler ist ein Junge aus Deutschland, etwa 14 Jahre alt, der in einem von Bomben zerstörten Haus lebt, seine Mutter leidet an einer Lungenentzündung, es ist kalt, die Wände sind teilweise nicht mehr vorhanden, die Familie leidet Hunger. Teile der Familie sind schon im Krieg umgekommen, der große Bruder gehört der Miliz an, die Familie weiß nicht, wie sie einen weiteren kalten Winter überleben soll. Dem Vater gelingt es, zu fliehen, doch es gibt Probleme mit dem Familiennachzug.

Nach vielen Problemen und Schwierigkeiten gelingt die Flucht schließlich – und zwar nach Ägypten. Dort werden sie in ein großes Flüchtlingslager gebracht, wo sie zwar versorgt werden, aber wo es Konflikte mit den ebenfalls geflohenen Franzosen – den Kriegsgegnern – gibt. Sie leben nun in einem Land, dessen Sprache und Sitten sie nicht verstehen, wo sie nicht arbeiten dürfen und wo sie nicht anerkannt werden. Immerhin erhalten sie nach einigen Jahren Asyl und beginnen sich eine kleine Existenz zu schaffen.

Die Sehnsucht nach Deutschland bleibt, doch diejenigen die heimlich wieder dort waren zu Besuch, sagen, dass sich alles ganz schrecklich verändert hätte…

Irgendwann sagt der Junge, der nun kein Junge mehr ist, dass er das Gefühl habe, ihm seien große Teile seines Lebens gestohlen worden, er gehört nirgends richtig hin. Er fühlt, dass er dankbar sein muss für die Rettung seines und seiner Familie Leben, er ist es auch, aber dennoch: so hatte er sich als Kind sein Leben nicht gewünscht!

Es ist erstaunlich, wie viele Details und wie viel mehr an Inhalt (das Leben der Schwester beispielsweise) Janne Teller auf diesen paar Seiten unterbringt und wie sie den Leser dazu anregt, sich noch viel mehr zusätzliche Details auszumalen.

In einer klaren und knappen – einfachen – Sprache kommt dieser Text sehr eindringlich daher. „Krieg, stell dir vor, er wär’ hier“ so lautet der Untertitel des Buches und genau das gelingt der Autorin mit diesem Appell an die Vorstellungskraft auch. Man wird durch ihre suggestiven Aufforderungen, sich alles „anders herum“ zu denken sofort in das Buch hineingezogen. Wie es Frau Teller versteht, mit einem einfachen Perspektivenwechsel tiefstes Verständnis für die Nöte von Asylbewerbern zu wecken, das ist grandios und bewegend!

 

Janne Tellers Buch regt tatsächlich zum Nachdenken an, auf unterschiedliche Weise und auf unterschiedlichen Ebenen.

Dieses Buch muss – und wird hoffentlich auch – den Weg in sehr viele Schulklassen finden, denn es eignet sich hervorragend zu Diskussionen, egal ob im Deutsch- oder im Geschichts – oder im Sozialkundeunterricht oder meinetwegen auch in Geographie.

Ich werde es dringend jedem Lehrer/ jeder Lehrerin die den Weg in unsere Buchhandlung findet, anraten und natürlich auch den jungen (und älteren) Lesern selbst.

 

Sie können das Buch gleich hier bei mir bestellen:

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Camillo, der beste Hexenkater

admin 15. August, 2010

Angelika Diem (Text) / Susanne Szesny (Illustration) „Für mich bist du der Beste!“

 

ISBN: 9783930299447

13,70 €

Albarello Verlag

32 Seiten

mit integrierter kleiner Plüschkatze

oder alternativ:

Buch ohne Plüschtier

ISBN:978-3865590398

11,90 €

Ein ansprechend gestaltetes, sehr schön illustriertes Bilderbuch für Kinder zwischen 3 und 6 Jahren.

Hexen sind ja beliebte Figuren in Kinderbüchern, sei es die Kleine Hexe von Preußler oder die Hexe Verstexe oder die Hexe Lili oder Lisbeth, die kleine Hexe und und und.

Hier ist nun also noch eine Hexe, die ich bisher nicht kannte: die Hexe Pollonia Petersiel!

Pollonia sitzt zu Hause in ihrem gemütlichen Hexenhaus und lässt es sich mit ihrem Kater Camillo gut gehen. Gerade lernt sie noch ein wenig in ihrem Zauberbuch, um sich fürs jährliche Wetthexen fit zu machen, als es an der Tür klopft und die überhebliche Kusine Hexe Hiberia Majoran herein rauscht. Heute noch gibt es einen Hexenwettbewerb um das beste Hexentier, Pollonia möge sich bereit machen, obwohl sie mit ihrem alten Kater ja sowieso nicht gewinnen könne.

Kein Wunder, dass Pollonia sich darüber ärgert, sie möchte natürlich gerne gewinnen, also probiert sie rasch ein paar Zaubersprüche aus, um sich ein besonders originelles neues Hexentier zu „besorgen“. Auf die ängstliche Frage Camillos hin, ob er denn trotzdem bei ihr bleiben könne, antwortet sie, dass er das gerne könne, wenn es dem neuen Tier genehm sei.

Naja, nicht so ganz die Antwort, die sich unser Kater so gewünscht hat. Aber mal sehen, was da so als „Nachfolger“ in Frage kommt.

Als erstes hext das kleine rothaarige und spitznasige Hexchen sich einen Eisbären, dann einen Pfau und zum Schluss einen Tiger. Keines der Tiere kommt in Frage, der Tiger wird  sogar recht gefährlich. Aber der gute alte Camillo stellt sich schützend vor seine Besitzerin und die kleine Katze verteidigt sein Hexenfrauchen vor dem großen Katzenraubtier.

Pollonia lässt die Versuche nun sein und beschließt, einfach mit Camillo zum Fest zu gehen, ob sie den Superhexenbesen nun gewinnt oder nicht, was macht das schon. Vielleicht wird das Fest ja auch so schön?!

Doch zu ihrer und der anderen Hexen Überraschung wird gerade Camillo zum besten Hexentier ernannt, Pollonia gewinnt also nicht nur den begehrten Preis, sondern behält auch noch ihren treuen Kater und bleibt glücklich mit ihm. Den Satz „Für mich bist du der Beste“ hat sie Gott sei Dank schon vor der Preisverleihung gesagt…

Diese nette kleine Geschichte über Freundschaft und Treue einerseits und über Eitelkeit und Verrat andererseits gefällt nicht nur wegen des Inhalts, sondern auch wegen der schönen Gestaltung.

Die Illustrationen sind ansprechend und mit liebevollen Details wie z.B. einer kleinen Maus, die man auf jeder Seite suchen kann, ausgestattet.

Auch gibt es immer wieder aufklappbare Doppelseiten, auf denen die herbei gezauberten Tiere groß zu sehen sind.

Last but not least ist natürlich die ein wenig teurere Ausgabe mit dem Kater Camillo aus Stoff noch mal interessanter für Kinder.

Dass dieses hübsche Bilderbuch, das eine Katze als bestes Tier auszeichnet, mich als ausgesprochenen Katzenfan natürlich besonders anspricht, darf auch nicht unerwähnt bleiben.

Fazit: ein schönes Geschenk für kleine und große Hexen-, Katzen- und BilderbuchliebhaberInnen!

 

Wenn Sie das Buch bestellen möchten, können Sie das gleich hier bei der Buchhandlung Thaer tun:

http://thaer.shop-asp.de/shop/action/productDetails/1287927/angelika_diem_susanne_szesny_fuer_mich_bist_du_der_beste_3930299445.html?aUrl=90007281

Graphivc Novel für klein und Groß über Chinas jüngere Vergangenheit

admin 11. March, 2010


 

 

Chen Jianghong

„An Großvaters Hand“

 

80 Seiten

Moritz Verlag

Aus dem Französischen übersetzt von Tobias Scheffel

24,80 €

 

 

Chen Jianghong wurde 1963 in Tianjin geboren. Er studierte Kunst in Beijing, lebt aber seit 1987 in Paris, wo er als freischaffender Künstler arbeitet.

Er hat sich einen Namen gemacht als Kinderbuchautor und Illustrator, seine Bücher wurden mit mehreren Preisen ausgezeichnet. So erhielt er für sein wunderschönes Bilderbuch „Han Gan und das Wunderpferd“ 2005 den Jugendliteraturpreis und für „Der Tigerprinz“ den „Luchs“ der ZEIT und den Rattenfänger Literaturpreis.

 

 

 

In seinem neuen Buch „An Großvaters Hand“ begibt er sich weg von dem Genre des Märchens, dem er bisher in seinen Bilderbüchern treu geblieben war. Er erzählt, malt und zeichnet seine eigene Kindheit im China während des großen Umbruchs.

Nun kann man fragen, ob die Kulturrevolution ein geeignetes Thema für ein Kinderbuch ist, das der Verlag mit der Altersempfehlung „ab 4 Jahren“  und versieht. Wenn man sich Jianghongs Buch genauer ansieht, kann man durchaus zu diesem Schluss kommen. Kleine Kinder werden große Freude daran haben, die vielen Details der Bilder zu entdecken und die Geschichte ist in einfachen Worten gehalten, die man als Erwachsener genau so vorlesen kann um verstanden zu werden. Es werden keine Grausamkeiten beschrieben und keine schrecklichen Einzelheiten erzählt.

Dennoch werden Kinder begreifen, dass es einfach traurig ist für die ganze Familie, wenn der Vater für lange Zeit weggeschickt wird. Was ein Umerziehungslager wirklich ist, muss ein Kind dabei nicht unbedingt verstehen.

 

Der kleine Chen lebt in einer intakten und glücklichen Familie auf dem Land in Nordchina ein ruhiges friedliches Leben. Sicher gibt es einige Probleme, so man muss sehr bescheiden leben und sich einschränken, aber die Großmutter kocht und näht, zieht kleine Küken auf und versorgt die Kinder gut. Zwar ist die große Schwester taubstumm, doch der kleine Chen freut sich darüber, dass sie ihm die Zeichensprache beibringt. Die Außenwelt entdeckt der kleine Junge vorwiegend an der Hand seines Großvaters. Mit ihm geht er in den Park, wo sie auf andere ältere Männer treffen, die darum wetteifern, wer den schönsten Singvogel besitzt; mit ihm erkundet er die Straßen und die Nachbarschaft.

 

Eines Tages ist plötzlich alles anders: Das Bild des Tigers an der Wand wird ersetzt durch das Bild Maos, die Familie wirft alte Fotografien weg und sieht nach, ob noch alle Bücher stehen bleiben können oder aussortiert werden müssen. Bald kommen die uniformierten Revolutionsgarden in die Häuser und überprüfen, ob die Bewohner linientreu sind oder noch dem alten Denken verhaftet.

 

Am Ende wird der inzwischen 8-jährige Chen, wie alle Kinder seines Alters, selber Rotgardist.

In tief berührenden Bildern erspürt man mehr die Veränderung, die das alles für das Leben eines Kindes hatte, als dass es wirklich genau erzählt wird. So sieht man den kleinen Chen bei einer freundlichen Nachbarin, die er gerne mag, kurz danach erfährt man, dass die Nachbarin weggebracht wurde und er sie nicht mehr sah. Den Rest muss man sich dazu denken.

Hier ist natürlich der erwachsene Vorleser gefragt, denn er wird selbst entscheiden müssen, wie viel er zusätzlich erklären kann oder möchte.

 

Jedenfalls ist das Buch, wenn man es denn als Kinderbuch betrachtet, ein sehr guter Einstieg, um die jüngere Geschichte Chinas ein wenig zu erklären, ohne zu sehr ins Detail gehen zu müssen.

Abhängig vom Alter und Verständnis der Kinder kann man das natürlich auch als Aufhänger für Gespräche über Freiheit und Diktatur nutzen.

 

Man kann das aber auch einfach bleiben lassen und sich an den vielen wunderschönen Zeichnungen freuen.

Ich tendiere sowieso dazu, dieses Buch weniger als normales Bilderbuch, denn als ein hochwertiges Kunstobjekt zu betrachten.

Sei es das Format, das Papier, die Farben sowie der Leinenrücken und natürlich die Zeichnungen – all das zusammen spricht die bibliophile Seele in uns an.

 

Es erinnert in seiner Art an eine „graphic novel“, wer beispielsweise die (verfilmte) sehr schöne Autobiographie der Iranerin Marjane Sartrapi „Persepolis“ mochte, wird auch von Chen Jianghongs „An Großvaters Hand“ begeistert sein.

 

 

 

Eine autobiografische Erinnerung, eine in klaren und schönen Worten erzählte Kindheitsgeschichte im China zur Zeit der Kulturrevolution.

Eine geniale Mischung zwischen  Bilderbuch, Graphic Novel und Kunstband.

 

Ein Buch für alle Menschen ab 4 Jahren bis ins hohe Alter, die Wert auf hochwertige Gestaltung und guten Geschmack legen.

 

 

 Wenn Sie das Buch bestellen möchten, geht das über folgenden Link:

 

http://thaer.shop-asp.de/shop/action/productDetails/8489252/chen_jianghong_an_grossvaters_hand_3895652105.html?aUrl=90007281

ein tolles Kinderbuch

admin 26. April, 2009

Andreas Steinhöfel „Rico, Oskar und die Tieferschatten“Carlsen Verlag

Illustrationen von Peter Schössow

12,90€ 220 Seiten

Andreas Steinhöfel, 1962 geboren, ist Drehbuchautor und Rezensent von Kinder- und Jugendbüchern und seit langem  selbst Autor.

Rico lebt in Berlin, genauer gesagt in der Dieffenbachstraße in Kreuzberg (wie übrigens auch der Autor selbst), er lebt allein mit seiner Mutter. Rico ist „tiefbegabt“ und geht anstatt zur Schule in ein Förderzentrum. Er kann zwar denken, sogar ganz viel, nur eben langsamer als andere Leute – und in manchen Bereichen klappt es gar nicht. Ricos Lehrer hat ihm über die Sommerferien eine besondere Hausaufgabe aufgegeben, er soll eine Art Ferientagebuch schreiben. Was Rico anfangs nur so aus Pflichterfüllung und wegen der in Aussicht gestellten Vergünstigungen (weniger Hausarbeiten im nächsten Jahr) tut, entwickelt sich zu einer höchst spannenden Lektüre. Wie gut, dass Ricos Lehrer ihm auch erklärt hat, wie man das Rechtschreibprogramm von Word benutzt, sonst wäre uns Lesern die Lektüre wohl etwas hart angekommen.Denn – wie man sich schon denken kann – es handelt sich bei der folgenden Geschichte um nichts anderes als um Ricos Ferientagebuch.

Ricos hübsche Mutter arbeitet in einem Nachtclub und bemalt in ihrer Freizeit mit Vorliebe ihre Finger- und Zehennägel sehr fantasievoll, ansonsten liebt sie noch Bingospielen in einem Seniorenclub (wohl als Ausgleich zu den Nachtclubmännern) und vor allen Dingen liebt sie Rico, ihren Sohn.

Dieser besucht gerne eine Nachbarin (Verkäuferin an der Fleischtheke im nächsten Kaufhaus) und guckt mit ihr Liebesfilme oder auch mal Krimis an, auch die Wohngemeinschaft ganz unten im Haus mag er, mit anderen Nachbarn versteht er sich zwar nicht so gut, aber seine Mutter hat schon dafür gesorgt, dass ihm keiner dumm kommt. Nun ist gerade ein neuer Nachbar, den sowohl Rico wie auch seine Mutter total sympathisch finden, eingezogen. Rico träumt schon vom Verkuppeln der beiden, doch ganz so einfach geht das denn doch nicht mit der Liebe…

Rico ist zwar meistens fröhlich und nimmt die Welt, wie sie nun mal so ist, doch eigentlich fehlt ihm ein Freund. Als er eines Tages auf der Suche nach einer „Fundnudel“  begegnet er auf der Straße einem kleinen Jungen, der mit einem heruntergeklappten Motorradhelm herumläuft. Die beiden geraten zuerst im Streit aneinander, doch dann beginnen sie miteinander zu reden und stellen fest, dass der eine tiefbegabt ist, der andere hochbegabt. Dass beides ganz schöne Nachteile haben kann, weil beide „anders“ sind, merken sie – und der Leser – bald.

Während Rico zwar nicht weiß, wo links und wo rechts ist, sich keine Namen behalten kann und vieles einfach so aus seinem Gedächtnis wieder heraus fällt, hat Oskar ganz andere Probleme. Gerade weil er um Folgen von Handlungen weiß, ist er extrem ängstlich und misstrauisch dem Leben gegenüber.

Die beiden Jungs stellen bald fest, dass sie sich mögen und verabreden sich. Oskar verspricht, Rico am nächsten Tag zu besuchen.

Rico wartet und wartet, doch Oskar taucht nicht auf. Die Enttäuschung legt sich aber, als er im Hinterhof einen Anstecker findet, der eindeutig Oskar gehört – also war Oskar doch da…

Jetzt ist allerdings wirklich Denken und zwar scharfsinniges Denken angesagt und auch damit ist es nicht getan: Mut, Entscheidungsfreude und eine große Portion Glück sind notwendig für das, was nun auf Rico zukommt.

Seit einigen Wochen häufen sich nämlich Fälle von Kindesentführungen in Berlin, die Rede ist vom „Aldi Kidnapper“. Der heißt nicht so, weil er Kinder bei Aldi entführt, sondern weil er durch billige Lösegeldforderungen (Lösegeld zu Discounterpreisen sozusagen) alle Eltern dazu bringt, das Geld zu zahlen, ohne die Polizei ein zu schalten. Alle Eltern, bis auf einen Vater: Oskars Vater – der geht zur Polizei.

Im Folgenden entspinnt sich eine spannende, irrwitzige und auch gefährliche Detektivgeschichte, bei der Rico alles dafür tut, seinen Freund zu befreien.

Ich kann nur sagen, dass das kein Schaden ist – auch wenn man nicht mehr zu der angestrebten Alterszielgruppe (so um die 10 Jahre) gehört.

Es handelt sich hier um eine absolut geglückte Mischung aus einem Kinderkrimi, einer „Problemgeschichte“, einer Milieustudie, einem Berlinromanund einer richtig witzigen und fantasievollen Geschichte, auf deren Fortsetzung ich schon sehr gespannt bin.

 Sie können das Buch gleich hier bestellen bei der Buchhandlung Thaer:

http://thaer.shop-asp.de/shop/action/productDetails/7092253/andreas_steinhoefel_rico_oskar_und_die_tieferschatten_3551555516.html?aUrl=90007281

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