Archiv für die 'Kinderbücher' Kategorie

Zahina und das verlorene Wasser

admin 12. Juni, 2017

Anne Jonas/Marie Desbons

„Von der Kostbarkeit des Wassers“

 978-3-946401-09-4

Tintentrinker Verlag  16 €

Die Autorin Anne Jonas studierte Geschichte und Buchwissenschaften, sie widmet sich seit einigen Jahren ausschließlich dem Schreiben von Kinder- und Jugendbüchern. Anne Jonas lebt und arbeitet in Grenoble.

Die Illustratorin Marie Desbons studierte Design und Kommunikation. Sie arbeitet für viele renommierte Kinderbuchverlage Frankreichs.

Dieses Bilderbuch richtet sich an Kinder ab 5 Jahren.

Aufmerksam wurde ich durch die besondere Art der Illustrationen, die sich schon auf dem wunderschönen Cover zeigt und die das ganze Buch hindurch auf höchstem Niveau bleibt.

Doch auch inhaltlich hat das Buch einiges zu bieten: Zahina lebt in einem Land, in dem Wassermangel herrscht. So ist es ihr Bestreben von klein auf Wasser vom entfernten Brunnen zu holen. Es bereitet ihr ein schrecklich schlechtes Gewissen, dass sie durch ihre Träumereien auf dem Weg immer etwas unaufmerksam ist und dadurch immer wieder Wasser verliert.

Eines Tages zerspringt ihr sogar der ganze Wassertopf, weil sie hingefallen ist. Weinend erzählt sie ihrem Vater von den vielen „Vergehen“. Dieser jedoch macht sie darauf aufmerksam, dass das Wasser, das sie verschüttet hatte, nicht wirklich „verloren“ ging, denn der Weg zum Brunnen ist viel schöner geworden, es wachsen Blumen am Wegesrand. Zahina ist getröstet  - und tatsächlich ist der Gedanke, dass Abweichungen vom Normalen, eben auch Träumereien am Wegesrand, keine verlorene Zeit sind und dass nichts wirklich verloren geht - sehr tröstlich und schön. Gefallen hat mir auch, wie Kinder bei uns ganz nebenbei auf die immense Bedeutung des Wassers aufmerksam gemacht werden.

Das schönste an dem Buch sind aber die zauberhaften Bilder, die sicher nicht nur (diesen aber auch!) Kindern gefallen dürften.

Gerne können Sie das Buch bei mir in der Buchhandlung Thaer bestellen:

George ist ein Mädchen! trotz ihres Jungenkörpers….

admin 29. August, 2016

Alex Gino

George

Übersetzt von Alexandra Ernst

Fischer Verlag 14,99 €

 

Die New Yorker Schriftstellerin Alex Gino, die auch zu Gast beim 16. Internationalen Literaturfestival in Berlin sein wird, ist selbst Transgender. Sie hat mit ihrem Debüt den ersten Transgenderroman für Kinder geschrieben.

George ist 10 Jahre alt und sie weiß schon immer, seit sie bewusst denken kann, dass sie ein Mädchen ist. Doch leider weiß das außer ihr niemand! Bisher hatte sie nie den Mut, mit irgendjemandem darüber zu sprechen, weder mit ihrer Mutter, noch mit ihrem älteren Bruder, ja noch nicht einmal mit ihrer besten Freundin Kelly.

Als an der Schule „Wilbur und Charlotte“ aufgeführt werden soll, ist es Georges größter Wunsch mitzuspielen, aber nicht in einer „Männerrolle“, sondern sie möchte unbedingt Charlottes Part übernehmen. Die Lehrerin erlaubt das aber nicht. Mit Hilfe ihrer Freundin Kelly gelingt es aber dennoch – und nicht nur wird das Theaterstück ein großer Erfolg – sondern es hilft ihr auch, sich zu offenbaren.

Das ist nicht einfach – und nicht jeder versteht sie, doch nicht nur Kelly und ihre Familie stehen zu ihr, sondern auch andere.

Wie so oft im Leben: wenn man erst einmal zu sich selbst steht, dann akzeptieren das auch andere!

Sicher denken nun manche, dass das noch kein Thema für kleine Kinder sei, doch ich bin sicher, dass es – wie bei jedem guten Buch – auf die Form ankommt.

Alex Gino gelingt es, einen einfühlsamen und gut verständlichen Roman für Kinder ab 10 Jahren zu schreiben,  der nicht nur für betroffene Kinder (das sind ja statistisch nicht sehr viele) interessant ist, sondern eigentlich für alle.

 

Bestellen können Sie das Buch gerne bei mir in der Buchhandlung Thaer

Aspekte der DDR - in einem spannenden Kinderroman hautnah nachvollziehbar

admin 21. Juli, 2016

Ute Krause

Im Labyrinth der Lügen

cbj Verlag

ISBN 9783570172926

Altersempfehlung 10 -12 Jahre

286 Seiten

14,99 €

 

Paul wohnt bei seiner Oma und seinem Onkel Henri in Ostberlin. Seine Oma ist Klofrau im Hotel Metropol und Henri ist Nachtwächter im Pergamonmuseum.

Henri lebt gerne mit den beiden zusammen und er ist seiner Oma unendlich dankbar, dass sie ihn aus dem Kinderheim, in dem  er gezwungenermaßen mehrere Monate leben musste, befreit hat.

Pauls Eltern sind nämlich im Gefängnis, nicht etwa, weil sie Kriminelle sind, sondern wegen eines gescheiterten Fluchtversuchs in den Westen.

Doch nun hat sich etwas Entscheidendes geändert: Pauls Eltern wurden „freigekauft“, was bedeutet dass Politiker aus Westdeutschland Geld für sie gezahlt hatten, so dass seine Eltern nun nach Westberlin ausreisen dürfen. Für Paul bedeutet das die endgültige Trennung von seinen Eltern, denn nach Westdeutschland darf man erst, wenn man 65 Jahre alt ist – und davon ist er noch sehr weit entfernt.

 Von seiner Traurigkeit lenkt ihn die neue Mitschülerin Millie etwas ab, mit ihr gemeinsam unternimmt er nun vieles, Hunde hüten und Eis essen und vor allem: Pauls Onkel und einem geheimnisvollen Professor bei der Entdeckung eines Geheimnisses zu helfen: in einem Stein des Ishtar-Altars soll eine Formel für eine Jugendtinktur eingraviert worden sein, was den Ägyptern beim Einbalsamieren  ihrer Mumien geholfen hat, könnte ja auch noch Lebenden helfen. Und ein Ägypter hat angeblich das Geheimnis an Babylon verkauft.

Spannung ist angesagt, aber nicht nur was die lange zurück liegende Vergangenheit betrifft, sondern auch Pauls und Millies aktuelles Leben.

Die Stasi nimmt den Onkel gefangen, Millie sucht ihre verschollene Mutter, jemand entpuppt sich als Verräter –und die Freundschaft der beiden wird auf eine sehr harte Probe gestellt.

Kinder  wissen nichts bis wenig über die jüngste deutsche Vergangenheit, Ute Krause vermittelt mit diesem warmherzigen und spannenden Roman sehr viel über die deutsche Teilung, über das Leben in der DDR und über die Probleme von Westflüchtlingen.

Das ist auf Kind gerechte Art verfasste Geschichte hautnah!

 Ich freue mich wenn Sie Interesse an dem Buch haben und es bei mir in der Buchhandlung Thaer bestellen!

 

Die Kellergeigers suchen eine Heimat

admin 12. Juli, 2016

Jean-Claude Grumberg

Ein neues Zuhause für die Kellergeigers

Illustriert von Ronan Badel

Übersetzung:Edmund Jacoby

ISBN 9783841787223

Verlag: Jacoby & Stuart

12,95 €

Dieses kleine (knappe 90 Seiten) Büchlein hat es mir angetan, und zwar so richtig!

Es sind nicht nur die tollen und witzigen Zeichnungen, die egal ob sie schwarz-weiß oder bunt sind, einfach richtig treffend sind und mich im Stil ein bisschen an die alte (und leider schon verstorbene) Marie Marcks erinnern, die mich begeistern. Nein, es ist noch viel mehr!

Die Geschichte ist schnell erzählt:

Die Kellergeigers sind eine Familie mit vielen Kindern, die alle sehr nett zueinander sind aber sehr arm sind. Sie haben fast nichts, weniger als nichts, aber immerhin schöne Musikinstrumente und sie lieben es gemeinsam Musik zu machen. Doch sie leiden darunter, dass sie in einem Land leben, in dem sie nicht gemocht werden und in dem sie von den Leuten oft vertrieben werden. So sind sie auf der Suche nach einem anderen Land, in dem man sie lieber mag.

Doch warum eigentlich mag niemand die Kellergeigers? Sehr bald finden wir heraus, dass es viele Kellergeigers gibt, nicht nur diese eine Familie und dass sie alle nicht gemocht werden. Warum? Nun ja, die Frauen tragen Kopftücher (oder Hüte oder auch nur Haare auf dem Kopf), die Männer haben schwarze Haare und große Schnauzbärte (oder auch keine), ihre Nasen sind zu rund (oder zu spitz), sie sehen zu ungewöhnlich aus (oder zu normal, das kann man ja auch nicht leiden, wenn jemand zu normal ist). Irgendetwas ist halt immer falsch.

Auf dem Weg zu Grenze geraten sie an einen Kellergeiger, der sie für viel Geld (das sie aber nicht haben, aber - nun ja, eine schöne Geige täte es zur Not auch) über die Grenze bringen möchte. Drüben sei alles viel toller, alle Welt würde die Kellergeigers lieben, die Straßen seien sauber und es gäbe genug zu essen.

Unsere Kellergeiger Familie ist aber nicht blöd und schafft es auch ohne diesen Schlepper (das Wort wird nie benutzt) über die Grenze, einfach indem sie so schöne Schlaflieder spielen, dass die Grenzer in einen angenehmen Schlummer verfallen. Doch drüber angelangt, müssen sie erkennen, dass sie auch dort nicht gemocht werden. Zwar heißen sie dort anders “Violondecave” aber sie sind immer noch zu arm, zu anders und ihre Nasen gefallen auch dort nicht. Sie sollen abgeschoben werden.

Der älteste Sohn wird tatsächlich (wegen unerlaubten Musizierens) abgeschoben und von seiner Familie getrennt. Doch er kommt in ein Land, in dem die Kellergeigers “Cellarfiddlers” genannt werden und auch nicht gemocht werden, aber manche schaffen es doch. Er selbst wird professioneller Musiker und sehr erfolgreich. Doch er vermisst seine Familie. Eines Tages kommt die Familie, die mittlerweile sehr traurig und frustriert - und gar nicht mehr so lieb zueinander sind - auch in dieses Land.

Mittlerweile wurde nämlich in ihrer alten “Heimat” ein Befehl erlassen, dass man allen Kellergeigern ein großes “K” auf die Stirn tätowiert, um sie besser zu erkennen, das wurde dann doch zu viel und sie flohen.

Es kommt - entgegen aller Erwartungen - zu einer glücklichen Wiedervereinigung der Familie - und alle sind froh und freuen sich.

Wie schön! Immerhin handelt es sich ja um ein Kinderbuch - und da schadet es nichts, wenn es ein glückliches Ende hat.

Andererseits versteht jeder Erwachsene, der das liest - und der das hoffentlich gemeinsam mit seinem Kind liest, dass die Kellergeigers wohl für “Fremde” an sich stehen. Vieles erinnert an Sinti und Roma, manches auch an Juden, doch eigentlich ist es unwesentlich, was sie sind, es reicht dass sie anders sind. Man bedenke: mal ist die Nase zu spitz, mal zu rund….

Eine großartige Neuerscheinung, ein wunderbares Buch, das man jeder/jedem ab etwa 10 Jahren schenken sollte - oder einfach als Erwachsene/r selber lesen. Man wird es nicht bereuen!

Sie können das Buch sehr gerne bei mir in der Buchhandlung bestellen.

Mit Digby als Freund gibt’s keine Langeweile mehr - manchmal wäre sich langweilen aber gar nicht so schlecht

admin 5. Juni, 2016

Stephanie Tromly

Digby #1

Übersetzerin:  Sylke Hachmeister

Oetinger Verlag

14,99 €

Die 16-jährige Zoe muss mit ihrer Mutter weg aus New York City in ein kleines Kaff ziehen. Sie findet alles schrecklich dort und es gelingt ihr auch nicht, neue Freunde zu finden.

Ein sehr seltsamer Junge (Anzugträger!) namens Digby  rückt ihr aber mit so ungewöhnlichen Methoden auf die Pelle, dass ihr wenig anderes übrig bleibt als sich mit ihm abzugeben. Besser ein komischer Freund als gar keiner.

Gemeinsam mit dem notorischen Schulschwänzer Digby erlebt sie allerdings Dinge, die ihren eher spießigen  Alltag ordentlich aufmischen:  ein waghalsiger Einbruch in die Praxis eines verdächtigen Gynäkologen, Versuche, eine verschwundene Mitschülerin zu finden,  waghalsige Autofahrten, unfreiwillige Besuche auf der Polizeiwache und noch einige brisante Abenteuer mehr.  Von Langeweile keine Spur mehr – was auch an Eric, einem alten Schulfreund Digbys liegen mag, in den Zoe sich ein wenig verguckt hat.

Die drei zusammen stürzen sich in Unternehmungen, die letztendlich etwas zu groß und gefährlich für Jugendliche sein könnten. Irgendwann versteht Zoe aber, warum Digby die  Suche nach der verschwundenen Schülerin gar so wichtig ist: vor Jahren ist seine eigene kleine Schwester verschwunden – und er ist immer noch auf der Suche nach ihr.

Trotz dieses ernsten Hintergrundes mochte ich das Buch vor allem wegen seines unglaublich intelligenten Witzes.

Es ist mir schon lange nicht mehr so gegangen, dass ich während des Lesens in lautes Lachen ausbrechen musste. Es sind weniger die – allerdings auch oft sehr lustigen – verrückten Ideen Digbys, die mich so erheiterten, sondern vor allem der  große Sprachwitz. Es versteht sich von selbst, dass ich der Übersetzerin ein großes Lob ausspreche, denn es ist ihr wunderbar gelungen, diesen Witz ins Deutsche herüberzuretten.

Auch wenn das Buch in sich schlüssig endet, lässt es den Leser doch auf eine Fortsetzung hoffen.

Spannend, witzig und mit sehr sympathischen, weil so herrlich unperfekten Protagonisten ist dieser Jugendroman jeder/jedem ab etwa 14 Jahren anzuraten!

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