Krieg in Deutschland -und wir suchen Asyl?
admin 5. March, 2011
Janne Teller Krieg -
Stell dir vor, er wäre hier
Übersetzerin aus dem Dänischen: Sigrid EngelerIllustrationen: Helle Vibeke Jensen Hanser Verlag
gebunden, 64 SeitenISBN 978-3-446-23689-9
6.90 €
Der Ich-Erzähler ist ein Junge aus Deutschland, etwa 14 Jahre alt, der in einem von Bomben zerstörten Haus lebt, seine Mutter leidet an einer Lungenentzündung, es ist kalt, die Wände sind teilweise nicht mehr vorhanden, die Familie leidet Hunger. Teile der Familie sind schon im Krieg umgekommen, der große Bruder gehört der Miliz an, die Familie weiß nicht, wie sie einen weiteren kalten Winter überleben soll. Dem Vater gelingt es, zu fliehen, doch es gibt Probleme mit dem Familiennachzug.
Nach vielen Problemen und Schwierigkeiten gelingt die Flucht schließlich – und zwar nach Ägypten. Dort werden sie in ein großes Flüchtlingslager gebracht, wo sie zwar versorgt werden, aber wo es Konflikte mit den ebenfalls geflohenen Franzosen – den Kriegsgegnern – gibt. Sie leben nun in einem Land, dessen Sprache und Sitten sie nicht verstehen, wo sie nicht arbeiten dürfen und wo sie nicht anerkannt werden. Immerhin erhalten sie nach einigen Jahren Asyl und beginnen sich eine kleine Existenz zu schaffen.
Die Sehnsucht nach Deutschland bleibt, doch diejenigen die heimlich wieder dort waren zu Besuch, sagen, dass sich alles ganz schrecklich verändert hätte…
Irgendwann sagt der Junge, der nun kein Junge mehr ist, dass er das Gefühl habe, ihm seien große Teile seines Lebens gestohlen worden, er gehört nirgends richtig hin. Er fühlt, dass er dankbar sein muss für die Rettung seines und seiner Familie Leben, er ist es auch, aber dennoch: so hatte er sich als Kind sein Leben nicht gewünscht!
Es ist erstaunlich, wie viele Details und wie viel mehr an Inhalt (das Leben der Schwester beispielsweise) Janne Teller auf diesen paar Seiten unterbringt und wie sie den Leser dazu anregt, sich noch viel mehr zusätzliche Details auszumalen.
In einer klaren und knappen – einfachen – Sprache kommt dieser Text sehr eindringlich daher. „Krieg, stell dir vor, er wär’ hier“ so lautet der Untertitel des Buches und genau das gelingt der Autorin mit diesem Appell an die Vorstellungskraft auch. Man wird durch ihre suggestiven Aufforderungen, sich alles „anders herum“ zu denken sofort in das Buch hineingezogen. Wie es Frau Teller versteht, mit einem einfachen Perspektivenwechsel tiefstes Verständnis für die Nöte von Asylbewerbern zu wecken, das ist grandios und bewegend!
Janne Tellers Buch regt tatsächlich zum Nachdenken an, auf unterschiedliche Weise und auf unterschiedlichen Ebenen.
Dieses Buch muss – und wird hoffentlich auch – den Weg in sehr viele Schulklassen finden, denn es eignet sich hervorragend zu Diskussionen, egal ob im Deutsch- oder im Geschichts – oder im Sozialkundeunterricht oder meinetwegen auch in Geographie.
Ich werde es dringend jedem Lehrer/ jeder Lehrerin die den Weg in unsere Buchhandlung findet, anraten und natürlich auch den jungen (und älteren) Lesern selbst.
Sie können das Buch gleich hier bei mir bestellen: