Anständig essen - wie geht das? Ein Selbstversuch

admin 3. February, 2011

Wenn einen ein Thema mal gepackt hat, dann wird man einfach hellhöriger und ist noch interessierter als vorher. So auch bei mir in diesem Fall. Nachdem schon Jonathan Safran Foers Buch „Tiere essen“ mein absolutes Wohlgefallen gefunden hat, freute ich mich, dass eine andere von mir geschätzte Schriftstellerin sich nun einem sehr ähnlichen Thema widmet mit ihrem gerade erschienen Buch über anständiges Essen.

Karin Duve „Anständig essen – ein Selbstversuch“

Galiani Verlag 

ISBN: 9783869710280

335 Seiten

19,95 €

Karen Duve wurde 1961 in Hamburg geboren. Sie lebt heute in Brandenburg zusammen mit einem Maultier, einem Pferd, etlichen Hühnern und einer Frau, die sie „Jiminy Grille“ nennt nach der Grille aus Pinocchio.

Sie arbeitete nach ihrem Abitur und einer abgebrochenen Ausbildung zur Steuerinspektorin 13 Jahre lang als Taxifahrerin, was sie in ihrem amüsanten und klugen Roman „Taxi“ literarisch verwertete, ein Buch mit dem sie großen Erfolg hatte.

Ihren Durchbruch in der Literaturszene erzielte sie 199 mit dem mehrfach ausgezeichneten „Regenroman“. Seitdem ist sie eine feste Größe auf dem deutschen Buchmarkt: „Dies ist kein Liebeslied“ „Die entführte Prinzessin“ „Weihnachten mit Thomas Müller“ und weitere Titel waren alle erfolgreich, mit „Taxi“ gelang es ihr sogar, auf die Shortlist zum Deutschen Buchpreis zu gelangen.

Warum nennt Karen Duve besagte Freundin eigentlich Jiminy Grille? Weil Jiminy das Gewissen darstellt, das Pinocchio ebenso abgeht, genau so wie es Frau Duve früher abging, zumindest was das Thema Tiere essen anbelangt.

Karin Duve war ein Mensch, die so ziemlich alles gerne aß: Gummibärchen, Hähnchengrillpfannen für 2, 99 €, Schokolade in rauen Mengen in sich stopfte und liebend gerne Coca Cola light trank. Also das Gegenteil einer sich bewusst ernährenden Zeitgenossin, tierliebend allerdings war sie schon immer, ohne jedoch zu hinterfragen was das eine mit dem andern zu tun hat. Erst durch hartnäckiges Nachfragen ihrer Freundin sah sie sich gezwungen, einmal genauer nachzudenken über ihre Essgewohnheiten. Dieses Nachdenken führte dann zu einem Selbstversuch, der ursprünglich nur wenige Monate dauern sollte, dann aber über ein ganzes Jahr, nämlich das Jahr 2010  hinweg durchgeführt wurde. Dieser Selbstversuch liegt nun in Buchform vor.

Karin Duve probierte verschiedene Formen von anständigerem, also besserem Essen unter dem Gesichtspunkt Ethik und Moral und Verantwortungsbewusstsein gegenüber unseren Mitlebewesen und unserer Umwelt aus.Sie begann mit der Umstellung auf biologische Nahrungsmittel: Einkaufen in Bioläden oder zumindest von biologisch kontrollierten Waren aus dem Supermarkt. Während dieser Phase informierte sie sich fleißig über verschiedene Ernährungsformen, über artgerechte Tierhaltung, über die Unterschiede von Labeln, was Bioqualität angeht und – last but not least – über die Schwierigkeiten der Umstellung.

In der nächsten Testphase lebte sie vegetarisch, später vegan und noch später als Fruktarierin.

Am Ende des Buches zieht sie ein ganz persönliches Fazit für sich und begründet es auch sehr gut und nachvollziehbar: sie wird von nun an vegetarisch leben und zu großen Teilen vegan, aber nicht konsequent, wobei sie diese Lebensweise eigentlich für die richtigere hält.

Sehr schön und für den potentiellen Leser nicht unwichtig ist zudem ihr trockener Humor und ihr flüssiger Stil. Ich musste an mehreren Stellen laut lachen, an anderen schmunzeln, an wieder anderen habe ich heftig und zustimmend mit dem Kopf genickt und manchmal auch ungläubig die Stirn gerunzelt.

Karin Duve schafft es in ihrem „Anständig essen“ jedenfalls hervorragend, den Leser/ die Leserin nicht nur sachlich zu informieren, sondern ihn bzw. sie auch zu unterhalten und mitzureißen. Sie ist nicht verbiestert und verbittert, sie bedauert auch immer wieder mal, dass es „leider keinen Weg zurück“ gibt, wenn man erst mal begonnen hat, sich intensiv zu informieren. Das Bratwürstel wird einfach nicht mehr so gut schmecken, wenn man erst mal weiß unter welchen Bedingungen es früher gelebt hat und wie es getötet wurde. Frau Duve würde nicht beschwören, nie wieder Fleisch anzurühren, was sie allerdings – ebenso wie Foer übrigens – als unverrückbare Tatsache sieht ist der Verzicht auf Produkte aus Massentierhaltung, die gehört ihrer – und meiner Meinung nach - einfach abgeschafft. 

Frau Duve gibt zu, dass sie nicht ganz der „gute Mensch“ geworden  ist, als den sie sich gern sähe, aber ihr Fazit „ Und dass es mir nicht gelungen ist, ein guter Mensch zu werden, soll mich nicht davon abhalten, ein besserer zu werden“ gefällt mir ausgesprochen gut! 

Wer nur ein Buch über dieses Thema lesen möchten (es gibt mehrere gute darüber), dann möge er dieses lesen! Wer gar nichts darüber wissen möchten, weil er sich nicht seinen Genuss verderben lassen möchte, der möge dem Buch wenigstens eine Chance geben! Die hat es verdient…

 

Sie können das Buch gleich hier bestellen:
http://thaer.shop-asp.de/shop/action/productDetails/11251187/karen_duve_anstaendig_essen_3869710284.html?aUrl=90007281

Trackback URI |

Kommentar hinterlassen.